SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

- Details
- Peter-Jürg Saluz
Ob mein Vorschlag ironisch, sarkastisch oder sogar bitterböse ist, dürfen Sie selbst entscheiden. Ich möchte, dass die Sportartenvielfalt vergrössert wird. Das "Stabbrechen" wäre eine erste Wunschdisziplin und das "Steinewerfen" die zweite. Letzteres hätte aber nichts mit dem Unspunnenstein zu tun. Für das "Porzellanzerschlagen", das ich ebenfalls als olympiawürdig erachte, müssten keine Elefanten herangezogen werden. Man könnte genügend Mannschaften im rechtslastigen Politumfeld verschiedenster Nationen bilden.
Die Modalitäten und das Regelwerk für die neuen Sportarten wären leicht zu formulieren. Das "Stabbrechen" könnte man sicher über dem Trainer der Eishockeynationalmannschaft der Schweiz üben. Der unehrliche Corona-Schwurbler würde sich bestens als Testobjekt eignen. Da man ihn ohnehin fristlos von seinen Pflichten entbinden sollte, stünde ihm dafür genügend Zeit zur Verfügung. Beim Stabbrechen über Partrick Fischer könnte man übrigens auch Recycling betreiben, denn Eishockeystöcke mit defekten Schaufeln wären bestens zu verwenden.
Das Porzellanzerschlagen würde ich in eine grosse, von aussen fest verschliessbare Gummihalle verlegen. Einen Notausgang müsste diese nicht haben.
Weil ich einmal in der Bibel (Johannesevangelium 8,7) gelesen habe, wie Jesus von Nazareth über das Steinewerfen gedacht hat, erlaube ich mir, Peter-Jürg von Domat, diese Sportart neu zu definieren. In ein Heiligenbild möchte ich mein Konterfei deswegen aber nicht verwandeln, denn blasphemisches Verhalten ist mir zuwider. Ich heisse ja nicht Donald.
Meiner Meinung nach kann beim Steinewerfen der Sieger mit der kürzesten Reaktionszeit ermittelt werden. Gewinner soll derjenige sein, der mit einem blitzschnellen Wurf reagiert, sobald er ein Zielobjekt erkannt hat.
Ich selbst kann bei dieser Sportart nicht mitwirken und deshalb auch keinen Schaden anrichten, denn die markantesten Zielobjekte übersehe ich geflissentlich.

- Details
- Peter-Jürg Saluz
„Was heisst FOMO?“ bin ich auch schon gefragt worden. Ohne KI hätte ich die Antwort allerdings nicht so schnell gefunden
Die Abkürzung steht für „Fear of Missing Out“ – die Angst, etwas zu verpassen. Gemeint ist dieses nagende Gefühl, nicht auf dem neuesten Stand zu sein, etwas Wichtiges zu übersehen oder einen Moment zu verpassen, den alle anderen scheinbar längst mitbekommen haben.

In Zeiten von Social Media wird FOMO oft mit Erlebnissen, Trends oder Events verbunden. Doch immer häufiger zeigt sich dieses Gefühl auch an einer anderen Stelle: beim Konsum von Nachrichten.
Es beginnt oft ganz harmlos mit einem kurzen Blick auf das Smartphone, und schon sind zwanzig Minuten vergangen. Echte Informiertheit stellt sich oft trotzdem nicht ein
Genau hier wird FOMO spürbar: Wir haben nicht nur Angst, etwas zu verpassen, sondern fühlen uns gleichzeitig von der Informationsflut erdrückt.
Mir geht es auch so. Trotzdem bin ich kein Newsphobiker, sondern der Meinung, dass News – besonders sogar die schrecklichsten – zu ertragen sind, weil wir uns als Hilflose kaum auf andere Art solidarisch zeigen können. Wegschauen ist keine Option. Die berühmten drei Affen sind kein Vorbild, das in diese Zeit passt.
Mit der Nachrichtenfülle und mit der Art, wie wir mit dieser umgehen, müssen wir uns aber wirklich befassen. .
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Nachrichtenkonsum begrenzt: morgens die Zeitung, abends die Nachrichten. Heute sind Informationen permanent verfügbar, in jeder freien Minute, auf jedem Gerät. Es gibt keine natürlichen Pausen mehr, keine klaren Grenzen. Daraus entsteht das Gefühl, ständig mithalten zu müssen – immer informiert zu sein, um nichts Wichtiges zu verpassen. Doch dieses Gefühl ist trügerisch.
Nachrichten sind längst nicht mehr nur Information, sondern ein zum Erwecken von Aufmerksamkeit optimiertes Produkt. Alles ist darauf ausgerichtet, künstliche Dringlichkeit zu erzeugen unter anderem auch deshalb, weil sich dann niemand mehr Zeit für kluges Überlegen nimmt.
In einer Zeit der Fake-Nachrichten und der Manipulationen sollten wir uns nicht überfordern, denn das schadet dem Blutdruck und der Intelligenz.
Immer wenn wir glauben, dass unser Newskonsum unser Wissen mehrt, übersehen wir etwas Wichtiges. Wir häufen unnötigen Ballast an, wenn wir kritiklos jede Nachricht konsumieren und vorbehaltlos für richtig halten. Das ist auch deshalb der Fall, weil in dieser schrecklichen Zeit das Negative, Erschreckende und Traurige im Vergleich mit dem Positiven eine viel längere Halbwertszeit hat.
Stellen wir uns also vor, dass unser Hirn eine Festplatte mit grosser, aber auch beschränkter Speicherkapazität ist. Dann überlegen wir uns immer, was gespeichert und was sofort gelöscht werden soll.
Mit unserem Gehirn müssen wir pfleglich umgehen. Das erspart uns mentale Erschöpfung, Stress, Konzentrationsprobleme und ein zunehmendes Gefühl von Hilflosigkeit.
Das Speichernswerte wollen wir aber nicht übersehen. Es mehrt unser Wissen und stärkt unser Gewissen. Dass ich jetzt weiss, was FOMO bedeutet, ist der Beweis für den ersten Teil meiner Behauptung. Wenn wir die stetig wieder geäusserte Aufforderung der unvergesslichen Margot Friedländer abspeichern und nie vergessen, was nie vergessen werden darf, ist das unserem Gewissen zuträglich
Ich weiss, dass ich Ihnen mit meinen Ausführungen kaum neue Erkenntnisse vermitteln kann. Trotzdem sollten Sie und ich gewisse Überlegungen anstellen, damit man uns mit News weder erdrücken noch sedieren kann. Im KI-Zeitalter ist unser eigenes Hirn, unser Denken und Fühlen und unser Charakter wertvoller denn je. News Deprivierte werden diese Aussage aber nicht zur Kenntnis nehmen.
- Details
- Peter-Jürg Saluz
Dass Orban endlich weichen muss, freut mich riesig, weil ich mich seit meiner Kinderzeit mit Ungarn verbunden fühle. Der ungarische Volksaufstand, der am 23. Oktober 1956 mit einer friedlichen Grossdemonstration der Studenten in Budapest seinen Anfang genommen hat, ist für meine Eltern und damit auch für uns Kinder ein prägendes Ereignis gewesen.
In meinem Elternhaus sind in der damaligen Zeit viele aus Ungarn geflüchtete Menschen zu Gast gewesen. Mein Vater hat sie jeweils mit dem Auto am Grenzbahnhof Buchs SG abgeholt und zu uns nach Hause gebracht, wo meine Eltern sie mit dem Notwendigsten ausgestattet haben, bevor ihnen eine erste Unterkunft zugewiesen worden ist.
Zwischen meinen Eltern und den ungarischen Gästen ist damals eine Freundschaft entstanden, die Jahrzehnte überdauert hat und zeitlebens nicht unterbrochen worden ist. Ungarische Männer und Frauen haben später auch immer zu meinem Bekanntenkreis gezählt, und solche Kontakte gibt es immer noch.
In meinen Augen wäre eine Fortsetzung der Ära Orban schrecklich gewesen. Ich hätte ein entsprechendes Wahlergebnis als Verrat am Volksaufstand von 1956 empfunden. Deshalb bin ich jetzt sehr erleichtert und der Meinung, dass das ungarische Volk – besonders mit Blick auf die grosse Wahlbeteiligung – stolz auf das erfreuliche Resultat sein kann.
Obwohl ich als Schweizer im Umgang mit der Europäischen Union vorsichtig sein will, finde ich es wichtig, dass die neue ungarische Regierung den von Orban angerichteten Schaden heilt und Ungarn so schnell als möglich wieder zu einem verlässlichen, loyalen Mitglied der EU macht. Dazu gehört aber unbedingt auch eine andere Haltung gegenüber der Ukraine. Von einem Volk, das selbst schon von russischen Panzern bedroht worden ist, darf man das doch erwarten.
Wenn ich heute Bilanz ziehe, geht es mir besser als vor etlichen Tagen. Es hat ja nicht nur Orban eine empfindliche Niederlage erlitten. Seine Fans in den extremen politischen Ecken sind ebenfalls kräftig auf die Nase gefallen.
Ich muss allerdings trotzdem einem besonders widerlichen Politiker aufrichtig danken. „JD“ Vance hat sich schliesslich euphorisch für Orban eingesetzt – der ungarischen Opposition also hervorragende Dienste geleistet. Das ist übrigens auch deshalb erfreulich gewesen, weil die Trump-Connection endlich im Zentrum von Europa eine deutliche Niederlage erlitten hat. Möge das ein Impuls für mehr Selbstbewusstsein der europäischen Staaten sein.
Nach den letzten Entgleisungen des Möchtegern-Sonnenkönigs aus Washington darf man für eine amerikaskeptische Haltung vielleicht sogar mit dem päpstlichen Segen rechnen.
