SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Wieder ist ein Abstimmungswochenende vorbei. Das Resultat weckt bei ihm gemischte Gefühle, weil es für ihn auf Bundesebene im Verhältnis 3:1 erfreulich und enttäuschend ist. Auf kommunaler Ebene ist seine Enttäuschung sogar hundertprozentig. Er hofft unabhängig davon, dass das Triumphgeheul und das Wehklagen nicht an seine Ohren dringt. Ihm wird jedoch bewusst, wie viele unfreie Menschen gerne in einer Demokratie leben würden. Das versteht er als Verpflichtung. Er wünscht sich deshalb, dass alles Mögliche getan wird, damit alle demokratischen Werkzeuge erhalten bleiben und erneuert werden.
Erhaltenswert ist in seinen Augen vieles, ganz besonders aber auch die Bedeutung des Ständemehrs. Daran sollte sich die Politik erinnern, wenn dereinst über die neuen EU-Verträge abgestimmt wird.
Erneuern sollte man jedoch die für Volksinitiativen gültigen Regeln. Dass ein Initiativkomitee einem Volksbegehren den Namen geben darf, ist grundsätzlich falsch, weil damit eine Irreführung der Stimmberechtigten ermöglicht wird. Das lässt sich sogar feststellen, wenn man sich einige Zeit nach der heutigen Abstimmung von Bekannten erklären lässt, wie die angebliche "Heiratsstrafe" am 8. März abgeschafft worden ist. Auf die Frage nach den materiellen Konsequenzen dieser "Abschaffung" wird man dann ohnehin keine Antwort erhalten.
Die materiellen Konsequenzen müssten seiner Meinung nach in jedem Initiativtext erklärt werden. Dass man heute nicht weiss, wie die 13. AHV-Rente finanziert werden soll, zeigt die Wichtigkeit von entsprechenden Erläuterungen im Initiativtext. Das kann er sogar auf einfache Art und Weise erklären. Mit leerem Portemonnaie und leerem Bankkonto würde er sicher nie etwas bestellen.
Ihm gefallen verschiedene Wortschöpfungen der neuen Zeit überhaupt nicht. Das Wort "Zeitenwende" in Verbindung mit mehr Bescheidenheit und einer deutlich reduzierten Anspruchshaltung verwendet er hier trotzdem gerne.
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- Peter-Jürg Saluz
Immer wenn ich schreibe, wird mir bewusst, wie viel, auch bei kleinster Schriftgrösse, zwischen den Zeilen Platz hat. Es geht um Vertrauliches,
Intimes, Privates und auch Beschämendes. Spannend ist es auf jeden Fall.
Mich hindern die Zeilenfüller am schnellen Tippen, weil meine Gedanken immer wieder vom gewählten Text abschweifen. Solange mein Gedächtnis noch intakt ist, wird sich daran nichts ändern.
In meinem Alter lebt man in zunehmendem Mass von Erinnerungen, besonders von guten. Schlechte gibt es natürlich auch, sogar solche, für die man sich heute noch schämt.
Eigentlich kann man die Erinnerungen in zwei Kategorien aufteilen: in jene, die man mit anderen Menschen bespricht, und in jene, die man am besten für immer geheim hält.
Dem Unterhaltungswert ist die Zweiteilung ziemlich abträglich, denn das Klandestine wäre eindeutig das Spannendste, das man erzählen könnte. Um einer Fehlinterpretation vorzubeugen, halte ich fest, dass ich nie strafrechtlich Relevantes verbrochen habe. Zudem wäre solches ohnehin längst verjährt.
Es gibt aber, wie wohl in jedem Menschenleben, auch bei mir einiges, über das der Schleier des Vergessens ausgebreitet bleiben sollte. Das ist insofern ein (bzw. mein) Problem, da mir bei entsprechenden Dingen der Spass am Erzählen vorenthalten bleiben muss.
Wenn ich mit diesen Erläuterungen die Neugier der Lesenden wecke, aber nicht stillen kann, bitte ich um Nachsicht. Ganz nutzlos müssen meine Ausführungen aber nicht sein. Die Erkenntnis, dass man auch innerlich für sich allein über Vergangenes schmunzeln kann, ist schliesslich ganz nützlich.
Weil ich aus eigener Erfahrung weiss, wie unberechenbar und oft brutal das Schicksal ist, möchte ich noch eine Empfehlung zum Besten geben: Sorgen Sie schalkhaft und mutig dafür, dass Sie sich zurückblickend nicht nur an Trauriges erinnern. Hecken Sie hin und wieder einen Streich aus, der keinen Menschen Schaden bereitet und Sie später immer wieder einmal schmunzeln lässt. Sie müssen damit nicht einmal bis zum bereits wieder nahen ersten April warten
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- Peter-Jürg Saluz
Aus hygienischen Gründen bin ich sicher kein Messie. Vielleicht aber aus einem anderen Grund. Das Wegwerfen fällt mir nämlich schwer, und das ist für die mir nahestehenden Menschen mühsam, mit Blick auf mein Ablaufdatum sogar sehr, sehr mühsam.
Manchmal profitiere ich aber von meiner Unart. Gerade eben habe ich nämlich etwas Faszinierendes gefunden – eine Sammlung der Periodika "Das Beste". Die Readers Digest-Lektüre aus den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wirkt inspirierend, vielleicht sogar noch mehr als bei ihrem Erscheinen.
Wenn ich lese, was uns damals alles prophezeit worden ist, und es mit dem schliesslich Eingetretenen vergleiche, bin ich immer wieder
überrascht. Es ist wie mit den Wetterprognosen, die als Nacherzählungen und nicht als Vorschau präzise wären.
Über Fehlprognosen haben sich übrigens auch schon die früheren Redaktorinnen und Redaktoren amüsiert. In einer Ausgabe von "Das Beste" konnte ich beispielsweise lesen, etwa 150 Jahre vor dem Erscheinen des Artikels habe man eine sehr bedenkliche Aussage gemacht. Mit Blick auf den stets wachsenden Bestand an Pferden sei erwartet worden, dass ganze Strassenzüge im Pferdemist untergehen würden.
"Das Beste" hat uns auch Lebensweisheiten vermittelt, die heute noch gültig sind. Allein deshalb lohnt sich das erneute Lesen der alten Hefte. Ich habe mit dem Lesen jeder neuen Ausgabe immer bei den Aphorismen begonnen und mir viele davon eingeprägt. Spass hat mir auch das Suchen nach sprachlichen Ungereimtheiten oder klassischen Rechtschreibfehlern gemacht, weil ich richtig stolz gewesen bin, wenn ich seltenerweise einmal fündig geworden bin. Die damalige Schreibergilde hat die deutsche Sprache noch beherrscht. Ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger müssen das aber nicht mehr. Weil die deutsche Sprache durch mehrere unsinnige Revisionen total verhunzt worden ist, müssen die Schreibenden ihr ja längst nicht mehr mächtig sein. Sie können Fehler machen, so viel sie wollen. Sie selbst und die grosse Mehrheit der Lesenden bemerken sie ja nicht.
Die Bereicherung, die mir "Das Beste" aus alten Zeiten bietet, ist wirklich grossartig. Es kehren Erinnerungen zurück. Es werden Visionen erneuert, und es wird Wissen aufgefrischt, das heute noch nützlich ist.
Manchmal ist es wirklich gut, dass ich nicht loslassen kann. "Das Beste" zu behalten macht eben doch Sinn. Dafür lasse ich mich sogar Messie nennen, wenn man trotzdem nicht glaubt, dass ich es auch in hygienischer Hinsicht bin. Umweltfreundliche Pflegetipps für Haus und Haar findet man übrigens auch in den hier zitierten Heften, und was "Das Beste" ist, kann ich sogar für meine Psychohygiene verwenden.
