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Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Einfach nur tragisch

Der Tod von Rolf Erb ist einfach nur tragisch und für die Hinterbliebenen schwer zu bewältigen. Auf mich hat der Verstorbene nie wie ein Betrüger gewirkt, eher schon wie ein von allem überforderter, hilfloser Mann ohne Realitätsbezug. Was und wie Rolf Erb gewesen ist, kann und muss ich jedoch gar nicht beurteilen. Mich beschäftigen aber seine Suizidgedanken, besonders wenn sie - wie es den Anschein hat - umgesetzt worden sind. Ich weiss, dass man nach landläufiger Meinung jeden Suizid verhindern sollte. Als ausnahmslos richtig empfinde ich dies jedoch nicht. Wenn man einem Menschen ein für ihn unerträgliches Leben zumutet, ist das die Höchststrafe, die man ihm auferlegen kann. Im vorliegenden Fall haben sich ohnehin umständebedingte Sachzwänge ergeben. Dass wegen einer allfälligen Suizidgefahr kein Strafaufschub gewährt werden kann, weil andernfalls Verurteilte auf einfache Art und Weise der Strafverbüssung entgehen könnten, leuchtet ein. Das Bundesgericht hat daher ohne jeden Interpretationsspielraum richtig entschieden. Die tragischen Konsequenzen liessen sich also gar nicht vermeiden. Ein fürsorgerischer Freiheitsentzug und eine bis zum Beginn des Strafvollzugs dauernde Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung wäre auf jeden Fall eine unmenschliche Lösung gewesen. Was zwangsläufig eingetreten ist, stimmt traurig. Die Bekannten der Hinterbliebenen können diese Traurigkeit mildern, indem sie der Familie des Verstorbenen mit Respekt und echter Anteilnahme begegnen, damit die lange Leidenszeit der Angehörigen endlich ein Ende findet.

Nebenaspekte einer widerlichen Geschichte

Die widerlichen Geschichten, die über Jürg Jegge zutage gefördert werden, habe ich nicht zu beurteilen und daher auch nicht zu kommentieren. Zwei Randnotizien möchte ich aber trotzdem anbringen. Dass Jürg Jegge den Tatbestand nach der Veröffentlichung des Buches - wenn auch in wohl sehr zurechtgebogener Fassung - eingestanden hat, ist ein kluger Schachzug gewesen. Damit kann der Mediensturm um die „Verleugnungsphase“ verkürzt werden. Das nützt Jürg Jegge und hätte auch in anderen Fällen die Bereinigung fragwürdiger sexueller Eskapaden und Übergriffe zugunsten der Opfer und Täter beschleunigt. Ganz generell sollte man Fehler ohnehin immer eingestehen. Das gilt in besonderem Mass in der Politik und für jedes Unternehmen. Wer Fehler zugibt, auf das Abstreiten verzichtet und alles ihm noch Mögliche zu einer Wiedergutmachung beiträgt, wird am schnellsten wieder auf die Beine kommen. Demütige Reue ist zudem lernbar.

Der zweite Aspekt, der mir wichtig erscheint, ist die Rolle, die man als Vater oder als Mutter spielt. Ich kann das am besten an einem weit zurück liegenden Fall erläutern. Vor vielen, vielen Jahren hat einmal ein Coiffeur einem Kind im Vorschulalter die Haare geschnitten und unter dem die Kleider vor Haare schützenden Umgang einen Übergriff versucht. Das ist glücklicherweise, aber auch aus gutem Grund, gescheitert, denn das Kind ist aufgestanden und samt Umgang zu seinen Eltern geeilt. Ein solches Verhalten setzt voraus, dass zwischen Kindern und Eltern ein auf gegenseitiger Achtung beruhendes Vertrauensverhältnis besteht. Weil die Eltern des belästigten Kindes unmittelbar nach dem Vorfall eine Strafanzeige eingereicht haben, ist anschliessend eine ganze Lawine ins Rollen gekommen. Bei den polizeilichen Einvernahmen des Täters hat sich nämlich gezeigt, dass sehr viele Kinder - teilweise leider auch in weit schlimmerem Ausmass - belästigt worden sind. Es hat damals jedoch kein Vater und keine Mutter etwas unternommen. Das gibt mir heute noch zu denken, denn das schamhafte Ignorieren ist sicher noch in vielen Familien gängige Praxis. Ich weiss, dass das von einem Coiffeur belästigte Kind keinen bleibenden Schaden davongetragen hat, weil es sich auf seine Eltern blindlings verlassen und ihnen Vertrauen entgegen bringen konnte. Daraus ergibt sich für mich nur eine Schlussfolgerung: Auch das richtige Elternsein ist lernbar.

Freiheit verpflichtet

Freiheit galt zu bestimmten Zeiten als Privileg. Heute ist sie uns zur unverzichtbaren Selbstverständlichkeit geworden, gilt sie doch als Grundwert für jedes demokratische System. Sie zu verlieren, wäre mehr als normaler Verlust. Was immer sie auch nur geringfügig einzuschränken droht, lehnen wir vehement ab. Doch die Frage drängt sich auf, ob wir der Verantwortung stets gerecht werden, die mit Freiheit unzertrennlich verbunden ist. „Wir sind ganz auf unsere Freiheit ausgerichtet, aber haben vergessen, dass wir auch eine Verantwortung haben.“ (Ernesto Bertarelli im Interview mit dem „Tages-Anzeiger“ vom 8. April 2017). In Zeiten des Umbruchs entwickeln sich die Dinge mit unterschiedlichem Tempo. Fortschritt und Veränderungen eröffnen Möglichkeiten, deren Grenzen noch auszutesten und näher zu definieren sind. Nicht alles, was möglich ist, erfüllt einen Zweck. Nicht höchstmögliche Freiheit, sondern höchstmöglich verantwortbare Freiheit muss das Ziel sein. Das klingt vielleicht abstrakt, aber das Thema ist brandaktuell. Wir finden es überall wieder – in der Politik, in gesellschaftlichem und sozialem Kontext, in unserm Alltag, im Gespräch mit Freunden oder am Arbeitsplatz.

Wo der Freiheit Grenzen gesetzt sind, muss diese nicht nachteilig eingeschränkt sein. Vielmehr ist eine veränderte Definition des hoch bewerteten Begriffs angebracht. Freiheit ist kein Selbstbedienungsangebot, sondern eine Auslage von Chancen und Möglichkeiten, von denen jede ihren Preis kostet. Bevor wir uns etwas davon aneignen, müssen wir uns deshalb im Klaren sein, was wir uns leisten können und leisten wollen. Zu bezahlen ist grundsätzlich in immaterieller Währung.


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