SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Gemischte Erwartungen
Dem Weltwirtschaftsforum, das vom 19. bis 23. Januar 2026 in Davos stattfindet, blicke ich mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Es freut mich zwar, dass die in den letzten Jahren immer peinlicher gewordenen Auftritte von Klaus Schwab der Vergangenheit angehören. Doch leider steht bereits der nächste peinliche Auftritt eines alten Mannes bevor.
Trump statt Schwab
Wenn sich Donald Trump wortgewaltig in Szene setzt, wünscht man sich fast wieder den ältlichen WEF-Gründer zurück. Dieser würde – im Gegensatz zu Trump – wohl nur noch mitleidige Blicke und höflichen Pflichtapplaus ernten. Dem Selbstdarsteller Trump hingegen wird man wieder die Füsse küssen und frenetisch applaudieren. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt und von der Logik seiner Aussagen versucht man, gegenüber dem selbsternannten Zollspezialisten alle Zweifel zu verbergen. Zudem wird ihn aufgrund der unterschiedlichen Körpergrösse wohl niemand mit seinem mentalen Bruder Putin verwechseln.
Visionen rund um Davos
Mich würde es übrigens nicht wundern, wenn Trump das WEF nach Mar-a-Lago verlegen wollte. Er könnte dann rechtzeitig zum ersten in den USA stattfindenden WEF einen spektakulären Preis ins Leben rufen und ihn dem grössten Dealmaker aller Zeiten – also sich selbst – verleihen. Für die Schweiz wäre dies vielleicht gar nicht so nachteilig: Über die immensen Kosten des WEF und die enormen Sicherheitsrisiken müsste sich hierzulande niemand mehr grämen. Möglicherweise liessen sich im Gegenzug für die Preisgabe des WEF-Standorts sogar die Zölle senken.
Hoffnungen und Befürchtungen
All dies sind freilich nur Visionen. Was in diesem Jahr in Davos stattfindet, ist vorgegeben. Ich hoffe lediglich, dass die enorm geforderten Sicherheitskräfte nicht durch unnötige Demonstrationen gebunden werden. Ein Fahnenmeer aus palästinensischen, iranischen und ukrainischen Fahnen wäre jedenfalls eindrucksvoller als das, was einige Demonstrationsfreudige inszenieren wollen. Sollte es zudem gelingen, Trump auf subtile Weise zu zeigen, was anständige, demokratisch denkende Menschen von ihm halten, würde ich mich vielleicht sogar über das WEF freuen.
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- Peter-Jürg Saluz
Die Freude am Schreiben habe ich schon im Primarschulalter empfunden. Beim Schreiben eines Blogtextes ist mir kürzlich auch wieder in den Sinn gekommen, was ich viel später alles als Ghostwriter verfassen durfte/musste. Im Laufe meines langen Lebens ist sehr viel Textliches entstanden, das Dritte verwendet, vorgetragen oder publiziert haben.
Anfänge in der Sekundarschule
Begonnen habe ich mit dem Ghostwriting in der Sekundarschule. Immer wenn ein Aufsatz als Hausaufgabe geschrieben wurde, bin ich aktiv geworden. Es sind jeweils bis zu sechs Aufsätze zum gleichen Thema entstanden, übrigens durchaus nicht uneigennützigerweise. Die von mir sehr unterschiedlich formulierten Aufsätze sind nämlich mein Tauschmaterial und fast schon eine Währung gewesen. Für einen guten Aufsatz, der mindestens mit einer Fünf bewertet worden ist, habe ich jeweils ganz nach Bedarf für mich Nützliches eingetauscht. Weil ich – was ich heute noch tue – das Zeichnen und das Handwerken gehasst habe, bin ich oft mit Freihandzeichnungen oder mit Bastelhilfe bezahlt worden. Auch für das Erledigen von Französischaufgaben habe ich immer gerne mit einem Aufsatz bezahlt.
Aufträge im Erwachsenenleben
Im Erwachsenenleben sind die mir übertragenen Aufträge allerdings anspruchsvoller geworden. Was ich in meinen beruflichen Funktionen verfassen musste, ist sehr „divers“ gewesen. Das in Anführungszeichen gesetzte Wort hat mich damals aber noch nicht geärgert. Ärger gab es manchmal jedoch für Leute, die einen von mir verfassten Vortragstext verwendeten. Wenn ich ihretwegen übellaunig gewesen bin, ist das von mir beim Formulieren berücksichtigt worden. Ich wusste dann genau, dass nach 125 Minuten flüssigen Vortragens ein deutliches Stottern zu hören gewesen ist…
Klandestine Texthilfen
Normalerweise sind meine klandestinen Texthilfen aber geschätzt und erfolgreich gewesen. Andernfalls hätte ich wohl kaum so viele Folgeaufträge erhalten.
Schreiben heute
Jetzt muss ich meistens allein überlegen, was ich schreiben will. Themen werden mir nur noch selten vorgegeben. Deshalb keimt manchmal fast schon die nostalgische Erinnerung an Aufsatzthemen aus der Sekundarschulzeit auf.
Ausblick
Trotz allem geht mir der Schreibstoff wohl auch in Zukunft nicht aus. Traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass der täglich anfallende Stoff mehrheitlich aus Bedrückendem und kaum mehr aus Erfreulichem besteht. Vermutlich werde ich daher bald einmal über etwas Neutrales berichten, z.B. über das Interrobang. Was, Sie wissen nicht, was das ist‽ – Sie sehen es am Ende des nebenstehenden Satzes.
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- Peter-Jürg Saluz
Sehr indirekt bekannte Prominenz
Ein mir bekanntes Ehepaar ist unglaublich stolz. Es kennt einen Mann, der eine Frau kennt, die den ehemaligen Coiffeur eines ehemaligen «Mister Schweiz» kennt. Ich gönne meinen Bekannten ihren Stolz und das damit verbundene Gefühl, mit Prominenz indirekt auf «Du und Du» zu sein.
Eigene Begegnungen
Bei mir ist es anders. Es ist jedoch nicht mein Verdienst, dass ich in meinem Leben viele illustre Bekanntschaften machen durfte. Umständehalber habe ich etliche berühmte, angesehene und ranghohe Frauen und Männer aus Wissenschaft, Politik, Militär, Kunst und der Unterhaltungsbranche kennengelernt. Viele dieser Menschen leben heute nicht mehr, und von den noch Lebenden könnten sich wohl viele nicht mehr an mich erinnern. Ich habe nie in ihrer Liga gespielt und mich immer als Randfigur empfunden. Trotzdem ist mir von bedeutsamen Menschen oft Vertrauen und Anerkennung geschenkt worden.
Vom Vergessen und Erinnern
Mein Erinnerungsvermögen wird mit jedem Lebensjahr kleiner. Der Schleier des Vergessens hat sich dennoch noch nicht vollständig ausgebreitet. Vieles ist weiterhin vorhanden, lediglich hirnplatzsparend schubladisiert. Sobald sich aus irgendeinem Anlass eine dieser Schubladen öffnet, ist das Gewesene plötzlich wieder da. Genau das habe ich gerade erst wieder erlebt.
Begegnung mit Erich von Däniken
Am 10. Januar 2026 ist Erich von Däniken gestorben – und bei mir sind Erinnerungen wach geworden. Kennengelernt habe ich ihn am 4. März 1968 im Hotel Duc de Rohan in Chur. Damals war ich kaufmännischer Lehrling und schrieb – wie schon während der Sekundarschulzeit – für verschiedene Medien Berichte.
Bei den kargen Lehrlingslöhnen war das Honorar ein höchst willkommener finanzieller Zustupf, der mir sogar den Kauf und Betrieb eines eigenen Autos ermöglichte. Das soll hier jedoch nicht weiter Thema sein.
Ein Abend mit Whisky, Cognac und Champagner
Ich durfte bei der mit einer Lesung verbundenen Präsentation des Erstlingswerks von EvD anwesend sein, darüber einen Zeilengeld bringenden Bericht verfassen und Erich von Däniken anschliessend auch noch interviewen. Es hat mir natürlich sehr geschmeichelt, dass ich persönlich – bei Whisky, Cognac und Champagner – die ungeteilte Aufmerksamkeit des späteren Erfolgsautors geniessen durfte.
Dass mir bei voller Wahlfreiheit edle Gläserfüllungen angeboten wurden, hat mich gefreut. Noch mehr aber habe ich mich darüber gefreut, dass mich Erich von Däniken im Verlauf unseres Gesprächs zusammen mit meiner damaligen Freundin für ein Wochenende in sein Davoser Hotel eingeladen hat. Dieses EvD-Wochenende hat allerdings nie stattgefunden – die Bündner Staatsanwaltschaft hat es mir vermasselt.
Eine gestrichene Prophezeiung
Die entsprechende Episode im Leben von Erich von Däniken interessiert mich längst nicht mehr. Alles Übrige jedoch sehr – obwohl es seit unserem ersten Kennenlernen nur noch einen einzigen Kontakt zwischen uns gegeben hat.
Als nebenamtlicher Mitarbeiter verschiedener Zeitungen war ich immer stolz darauf, dass ich in meinen Berichten die vorgegebene Zeilenzahl einhielt und dem Korrektor kaum je Arbeit verursachte. Korrekturen waren selbst im Zeitalter meiner noch rein mechanischen Schreibmaschine fast nie nötig.
Bei meinem Artikel über Erich von Däniken griff der Korrektor jedoch brutal ein und strich eine Vorhersage aus dem Text. Meine Prophezeiung, mein Interviewpartner werde ein künftiger Bestseller-Autor, wurde als absurd und daher nicht publizierbar taxiert. Darüber habe ich Erich von Däniken erst vor ziemlich genau neun Jahren in einem letzten Brief informiert.
Aufbruch in andere Dimensionen
Nun ist Erich von Däniken also aufgebrochen. Grund genug, mich an eine seiner eigenen Prophezeiungen zu erinnern. Ihr Wortlaut steht in meinem persönlichen Exemplar des Buches «Erinnerungen an die Zukunft». Sinngemäss soll ich mir demnach sicher sein, dass es die interstellare Raumfahrt immer gegeben hat und immer geben wird.
Wenn ich feststelle, Erich von Däniken sei jetzt aufgebrochen, dann stelle ich mir deshalb ein interstellares Raumfahrzeug mit ihm an Bord vor. Vielleicht - nein ganz sicher - ist er in der neuen uns noch nicht vertrauten Dimension mittlerweile sogar schon angekommen. Dann lächelt er auf uns herunter und wünscht uns, dass unsere Vorstellungskraft ins Unendliche wächst.
