SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
In trostlosen Zeiten gewinnen Wunschträume an Bedeutung. Sie schaffen für einen Augenblick einen Gegenentwurf zur Wirklichkeit, die uns zuweilen überfordert. Künstliche Intelligenz kann bei der Umsetzung solcher Wunschbilder helfen – vorausgesetzt, man füttert sie mit genügend Fantasie.
Die unerträgliche Hitze lässt mich von Kühle träumen. Eiskalt darf es allerdings nicht werden, denn sonst malt mir die KI womöglich Bilder von den schlimmsten Kriegsverbrechern unserer Zeit. Eigentlich möchte ich es einfach angenehm kühl haben und ein paar unbeschwerte Augenblicke geniessen.
In meinem Blickfeld sollen deshalb nur besondere Wesen und Menschen erscheinen. Gleichgültige und stoische Zeitgenossen, die ausschliesslich an ihre eigenen Wünsche denken und ihre Ansprüche bis zum Weltuntergang nicht reduzieren würden, möchte ich nicht sehen. Ihren Anblick ertrage ich nicht – schon gar nicht in meinem persönlichen Wunschbild.
Was also könnten die Ingredienzen meines Wunschbildes sein? Die Antwort ist schnell gegeben: Wasser und Eis sollen meine Überhitzung mildern. Schnurrende Katzen sorgen für mein seelisches Wohlbefinden. Eine langsam wieder wachsende Blumenwiese verdrängt die Spuren der Dürre, während Schmetterlinge und Vögel neue Leichtigkeit und Hoffnung verheissen.
Vielleicht finden Sie diese Zusammenstellung etwas bizarr. Die KI dürfte damit allerdings weniger Mühe haben. Sie kann den Text überarbeiten, die einzelnen Wünsche miteinander verbinden und mit etwas Glück gleich noch mein persönliches Wunschbild erzeugen.
Dafür stelle ich ihr meinen Kopf zur Verfügung. Mehr braucht es vielleicht gar nicht, damit die KI die trostlose Gegenwart für einen kurzen Moment in eine angenehm kühle, lebendige und freundliche Welt verwandelt.
Und es hat funktioniert!
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- Peter-Jürg Saluz
Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministers Sergei Lawrow und des russischen Regimes, befasst sich derzeit intensiv mit der Schweiz, weil sich die russischen Angriffskrieger offenbar sehr für die sogenannte Neutralitätsinitiative interessieren. Sacharowa behauptet, die Schweiz sei kein neutrales Land mehr, weil der Bundesrat seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 die EU-Sanktionen gegen Russland übernommen hat.
Ich bin froh, dass ich als Schweizer Bürger über wichtige Fragen abstimmen darf und mich nicht durch die Propaganda aus einem kriegerischen Land beeinflussen lassen muss. Froh bin ich auch, dass über die Neutralitätsinitiative Volk und Stände entscheiden werden. Neben dem Volksmehr, also der Mehrheit der stimmenden Schweizer Bevölkerung, ist auch das Ständemehr, also die Mehrheit der Kantone, erforderlich.
Weil ich nicht will, dass die Neutralität in ihrer bewährten Fassung angetastet wird, wünsche ich mir für den 27. September 2026 ein eindeutiges Abstimmungsergebnis. Trotz wohlklingendem, aber irreführendem Titel soll die Neutralitätsinitiative deutlich abgelehnt werden. Mein Nein steht jedenfalls fest.
Abstimmungsentscheidungen treffe ich immer erst nach umfangreichem Studium der relevanten Akten. Ich weiss aber, dass viele Menschen aus Zeitgründen oder wegen zu geringen Interesses nur einen Blickfang brauchen, um ohne grosses Nachdenken eine Abstimmungsentscheidung zu treffen. Ihnen kann man mit ein paar Hinweisen beziehungsweise Fragen helfen.
Wer sich überlegt, welche Figuren sich im Zusammenhang mit der Neutralitätsinitiative um den Politpensionär Blocher scharen, wird die richtige Entscheidung sehr schnell finden. Ob man Putin und seinem Kriegsregime hörig werden soll, muss man kluge Menschen wohl nicht fragen.
Ich weiss, dass die SVP mit allen Mitteln für die Neutralitätsinitiative kämpft und sich daher sicher auch über die russische Propaganda freut. Auf die Unterstützung aller EU-Skeptiker sollte sie aber nicht hoffen. Ich selbst bin, wie viele meiner Bekannten, absolut EU-kritisch, aber trotzdem vernünftig genug, um die unsägliche Neutralitätsinitiative abzulehnen.
Um die Sache auf den Punkt zu bringen: Die Neutralität in ihrer festgeschriebenen Form hat sich bewährt und wird sich weiter bewähren. Dass ein rechtslastiges, putinaffines Lager Hand an Bewährtes legt, darf nicht sein. Ich bitte daher alle, die diesen Text lesen, am 27. September 2026 Nein zu stimmen, damit die Schweizerische Neutralität in ihrer bewährten Form erhalten bleibt.

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- Peter-Jürg Saluz
Eine Frau hat etwas ganz Kostbares verloren und kann es nicht wiederfinden. Alles Suchen ist vergeblich, selbst der Gang ins Fundbüro macht keinen Sinn.
Der Verlust ist riesig, und die Verliererin ist untröstlich. Dass Millionen Menschen denselben Verlust erleiden, macht ihren Kummer nicht kleiner, sondern nur noch grösser. Das Wissen, mit diesem Verlust nicht allein zu sein, lässt ihn erst recht als gigantisch erscheinen. Ganz schlimm aber ist die Vorstellung, dass das Vermisste nach einem wundersamen Wiederfinden gleich wieder verloren ginge. Als dürfte es nie wirklich zurückkehren.
Ihnen ist sicher längst klar, was verloren gegangen ist. Man nennt es Zuversicht.
Zuversicht ist etwas Seltsames. Sie ist kein Besitz, den man sicher verwahren oder sogar irgendwo ablegen und später wieder hervorholen kann. Sie lebt davon, dass wir an das Morgen glauben, selbst wenn wir noch nicht wissen, wie dieses Morgen aussehen wird. Sie lässt uns weitergehen, wenn der Weg unübersichtlich geworden ist, und sie gibt uns die Kraft, nicht jede Hoffnung beim ersten Gegenwind aufzugeben.
Wenn Ihnen die Zuversicht wundersamerweise angesichts dieser apokalyptischen Zeichen noch nicht abhandengekommen ist, müssen Sie alles daransetzen, sie zu bewahren. Nicht aus Naivität und schon gar nicht, weil es keinen Grund zur Sorge gäbe. Sondern gerade weil die Zeichen so beunruhigend sind. Weil Angst, Empörung und Verzweiflung sich leichter verbreiten als Vertrauen. Weil es immer einfacher ist, an den Untergang zu glauben, als sich die Möglichkeit einer besseren Zukunft vorzustellen.
Doch Zuversicht ist nicht nur etwas, das wir für uns selbst bewahren können. Wir können auch anderen Menschen helfen, sie nicht zu verlieren. Mit klugem Verhalten, mit Besonnenheit und mit dem Mut, nicht jede Angst weiterzutragen. Wir können darauf achten, welche Worte wir wählen, welche Bilder wir verbreiten und welche Geschichten wir weitererzählen. Wir können einander zuhören, statt einander zusätzlich zu verunsichern, und wir können dort widersprechen, wo Panik, Zynismus oder Schwarzmalerei die Oberhand gewinnen.
Manchmal genügt schon wenig: ein ruhiges Wort, ein nüchterner Blick auf die Dinge, ein Hinweis auf das, was trotz allem gelingt, oder schlicht die Bereitschaft, einem anderen Menschen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Zuversicht wächst nicht nur aus guten Nachrichten. Sie wächst auch aus dem Vertrauen, dass Menschen füreinander einstehen, dass Vernunft möglich ist und dass unser eigenes Verhalten einen Unterschied machen kann.
Gerade deshalb tragen wir eine gewisse Verantwortung für die Zuversicht unserer Mitmenschen. Wir sollten sie weder mit falschem Optimismus einlullen noch ihnen die Wirklichkeit schönreden. Aber wir können darauf verzichten, jede Befürchtung zur Gewissheit und jede Krise zur Katastrophe zu erklären. Wir können aufmerksam sein, ohne ängstlich zu werden, kritisch, ohne zynisch zu sein, und entschlossen, ohne die Hoffnung aufzugeben.
Bewahren Sie sich deshalb Ihre Zuversicht – und helfen Sie anderen dabei, die ihre zu bewahren. Sie ist kein Luxus für unbeschwerte Zeiten. Sie ist vielleicht das Kostbarste, was wir in schweren Zeiten besitzen. Und vielleicht gehört es gerade jetzt zu unseren wichtigsten Aufgaben, dafür zu sorgen, dass sie nicht verloren geht.
