SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Dass man sich als Blog-Verfasser über Zustimmung freut, ist sicher nicht aussergewöhnlich. Gegen Kritik darf man sich aber auch nicht verwahren. Bekanntlich wächst man an ihr. Mit dem Kommentar „Das versteht ja keine Sau.“ lässt sich allerdings wenig anfangen, wenn die Kritiker nicht einmal benennen können, auf welche Textpassage bzw. auf welchen Beitrag sich ihr herbes Urteil bezieht. Es wird dann höchstens erkennbar, welche Korrelation zwischen einer gewissen Bildungsferne und einem ausreichenden Sprachverständnis besteht. Wenn „kein Schwein einen Text versteht“, spricht das nicht gegen das sympathische Borstentier, aber auch nicht unbedingt gegen den Verfasser eines angeblich unverständlichen Textes. Unverständlichkeit kann nämlich durchaus ein aus Boshaftigkeit gewähltes Stilmittel sein. Es gibt dafür aber auch eine andere mögliche Erklärung. Die fände man dann nicht auf Autorenseite, dafür aber in der Schulzeit der Nörgeler. Gekränkt über diesen Text wird niemand sein, denn die eigentlich Angesprochenen - und allenfalls die Schweine - werden oder wollen ihn ja ohnehin nicht verstehen.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn Frau B., eine treue Blog-Leserin, diesen Beitrag an einem Dienstag sieht, wird sie sich die Augen reiben und fragen, ob da am Ende gar von ihrem Ehemann die Rede ist. In der Tat könnte ihr Mann, den wir hier Harry nennen wollen, in diesem Text eine Rolle spielen. Hier geht es nämlich um eine besondere Männerfreundschaft, die man eigentlich als eine virtuelle Beziehung bezeichnen müsste. Mit „es waren einmal“ beginnen in der Regel nur Märchen, aber es waren eben einmal auch zwei Männer. Die teilten sich ein hartes Arbeitsleben und ein rauchgeschwängertes Büro, gingen aber schon nach wenigen Jahren beruflich und privat wieder getrennte Wege. Vor mehr als drei Jahrzehnten dürfte das gewesen sein. In der Zwischenzeit - aber auch das ist schon über zwanzig Jahre her - haben sie sich nur noch ein einziges Mal getroffen. Die Verbindung ist trotzdem nie abgerissen, weil die beiden eine ganz spezielle Tradition pflegen. Immer am Dienstag und an keinem anderen Tag (ausser wenn Roger Federer wieder einen sensationellen Sieg gefeiert hat) telefonieren die zwei alten Kollegen; ausgiebig, heftig, lachend und streitend, aber am Schluss fast ausnahmslos einig. Es ist eine unglaublich verlässliche Verbindung, die allein von einer Telefonleitung zusammengehalten wird und vielleicht längst nicht mehr bestünde, wenn man sich zu oft gesehen hätte. Die beiden Telefonierer sind äusserst unterschiedlich und irgendwie doch kongruent. Sie lieben ihre Frauen und ihre Familien und natürlich den Dienstag. Wenn Frau B. das Augenreiben bleiben lässt und durch das Schlüsselloch guckt, sieht sie vielleicht ihren Gemahl mit einem glühenden Hörer am Kopf. Dann weiss sie definitiv, von wem hier die Rede ist. Andernfalls erkennt sie es am Mienenspiel ihres am Dienstag immer schwer beschäftigten Ehemannes. Und wenn dann trotzdem noch Zweifel bestehen, wird spätestens beim ebenfalls ausschliesslich dienstäglichen Besuch im China-Restaurant alles klar sein. Frau B. wird dann nämlich erfahren, dass der virtuelle Partner ihres Mannes trotz jahrzehntelangen allwöchentlichen Telefonaten noch immer nicht mit Holzstäbchen stricken und schon gar nicht essen kann…
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- Katharina Saluz-Gsell
Alter allein macht gewiss nicht weise. Dennoch hat man im Alter der Jugend etwas voraus: man hatte länger Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, um richtige oder falsche Entscheide zu treffen, um Fehler zu machen und daraus zu lernen. Abgeklärtheit ist die Folge von Wiederholungen. Bis man alt ist, hat sich fast alles im Leben wiederholt. Mehrfach, unzählige Male sogar. Die Feststellung ist unumstösslich und gilt ausnahmslos. Über jugendlichen Elan und Tatendrang, über Mut und Risikobereitschaft verfügte, wer heute alt ist, früher auch. Die Veränderung der Jahre macht nicht ungeschehen, was einst war. Das soll sich verinnerlichen, wer zwischen Jung und Alt eine Trennlinie zieht und glaubt, wegen der Anzahl Jahre unterscheiden zu müssen. Wir sind alle gleich, nur stehen wir nicht am selben Punkt. Was den Älteren unter uns eigen ist, nämlich über praktisch erworbenes Wissen zu verfügen, trifft auf junge Menschen so noch nicht zu. Daran ändert keine Behauptung, keine Theorie oder Philosophie und keine Ideologie etwas. Auch dann nicht, wenn ein sympathischer Denker sagt: „Erfahrung ist etwas Aktives, etwas, was man macht, nicht etwas, was man hat. Wir haben so viele gescheite junge Leute. Weise junge Leute. Und strohdumme alte. Man wird nicht erfahren dadurch, dass man alt wird.“ (Peter Bichsel im Tages-Anzeiger vom 13. April 2017). Im Gegensatz zu antrainiertem Wissen, wie man es in der Schule erwirbt, bleiben selber gemachte Erfahrungen immer etwas Aktives. Man wird zwar nicht erfahren dadurch, dass man alt wird. Aber indem man alt wird, hat man Zeit, um Erfahrungen zu sammeln. Daran ist nicht zu rütteln. Es gilt auch dann, wenn ein betagter Schriftsteller der Jugend etwas Nettes sagen möchte. Auf mein Quäntchen Weisheit lege ich Wert.
