SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Das Seltene ist am wertvollsten. Man vergisst das nur zu oft. Dabei gilt diese Erkenntnis doch nicht nur für Kunst, Schmuck und Genussmittel. Wertvoll sind auch die in zunehmendem Alter seltener werdenden Freundschaften. Wer im Berufsleben und in der Politik dank Macht, Einfluss und Bekanntheit einen grossen Kreis vermeintlicher Freunde um sich schart, wird in einer späteren, nicht mehr so aktiven Lebensphase vor gelichteten Reihen stehen. Dass sich der Bekanntenkreis mit jedem Jahr durch Todesfälle verringert, ist zwar schmerzlich, aber auch natürlich. Daran denke ich daher nicht, wenn ich von der laufend kleiner werdenden Claqueur-Schar spreche und das Wort „Freunde“ tunlichst vermeide. Sobald er von einer Beziehung nicht mehr profitieren kann, weil der Einfluss einer Person schwindet und ihr Glanz verblasst, zieht sich der Claqueur zurück. Die während Jahren zweckdienlich vorgespiegelte Bewunderung muss er dem für ihn jetzt nutzlos Gewordenen ja nicht mehr zeigen. Er kann sich deshalb neuen, wiederum Vorteile versprechenden Beziehungen zuwenden. Mit dieser Entwicklung bin ich durch eigene Erfahrungen bestens vertraut. Grämen muss ich mich ihretwegen aber nicht, denn die weiterhin Kontakt mit mir pflegenden Menschen sind echte Freunde. Sie haben mir zwar nie laut und vorbehaltlos applaudiert und mir im Gegenteil manchmal mit konstruktiv-ehrlicher Kritik geholfen, aber sie sind meinetwegen, um unserer wirklichen Freundschaft wegen, da geblieben. Ja, echte Freundschaft ist selten und daher unglaublich wertvoll.
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- Katharina Saluz-Gsell
Es ist zu hoffen, dass der jüngste Londoner Anschlag auf Muslime ein Einzelfall und nicht Zeichen einer sich anbahnenden Eskalation ist. Über kurz oder lang käme es zu kriegsähnlichen Zuständen, wenn islamistischer Terror vermehrt mit anti-islamischem Gegenterror beantwortet würde. An einem Glaubenskrieg kann indessen niemand interessiert sein. Freidenker und Atheisten einerseits und praktizierende Gläubige aller Religionen andererseits müssten sich einig sein und zu einer Allianz gegen Terror jeder Art und Herkunft aufrufen. Der Aufruf an alle, die versucht sind, anti-islamischen Tendenzen auf den Leim zu kriechen, lautet: „Lehnt es ab, tumbe Mitläufer einer widersinnigen Hasskampagne zu werden!“, und der Gegenseite möchte ich zurufen: „Muslime, ächtet gewaltbereite Glaubensbrüder und schliesst sie aus Eurer Gemeinschaft aus!“ Wir alle brauchen keine negative Stimmungsmache, denn wir bestimmen selber, was wir denken und wie wir handeln wollen.
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- Peter-Jürg Saluz
Woran es liegt, weiss ich nicht. Tatsächlich macht es mich mit zunehmendem Alter immer melancholischer, wenn Bauwerke verschwinden. Gefühle, die ich bei Bäumen schon seit frühester Jugend empfunden habe, befallen mich jetzt auch, sobald ich Profilstangen bei einem für mich bedeutsamen Haus bemerke. Gebäude, deren Erbauer oder Bewohner mir vertraut gewesen sind, würde ich am liebsten für immer bewahren. Dass das nicht zeitgemäss ist, weiss ich schon. Wo früher Handwerker zum renovierenden Einsatz gekommen sind, beginnt deren Arbeit erst, wenn alles bodeneben gemacht und eine neue Baugrube entstanden ist. Heute wird abgebrochen und neu gebaut. Sogar gepflegte, fast neuwertige Liegenschaften fallen dem neuen Trend zum Opfer. Billiges Geld und der an sich verständliche Trend zu verdichtetem Bauen lassen alte Zeiten wieder auferstehen. Gemeint ist das nicht in positivem Sinn, denn ich denke an meine Jugendjahre, in denen in meiner Heimatstadt Chur viel wertvolle, aus heutiger Sicht erhaltenswerte Bausubstanz zerstört und durch phantasielose Normarchitektur ersetzt worden ist. Die Liegenschaften, deren Untergang ich bedaure, sind natürlich nicht alle schützenswert. Oft besteht daher kein Anspruch auf ihr Weiterbestehen. Traurig macht mich ihr Verschwinden trotzdem. Dass man heute von „Rückbau“ und nicht mehr von „Abriss“ spricht, ist wohl der Nachhaltigkeit geschuldet. Auf mich hat der neue Begriff aber auch eine tröstliche Wirkung. Die Wortwahl mildert die Emotionen, die ich beim Anblick eines von Profilstangen umgebenen Gebäudes empfinde. „Rückbau“ schmerzt weniger als „Abriss“, obwohl fast das Gleiche gemeint ist, und das ist eine Erkenntnis, die im übertragenen Sinn für das ganze Leben gelten kann.
