SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Meine Frau hat am 17. April 2017 in einem hier zu findenden Blog-Beitrag mit dem Titel „Ein Quäntchen Weisheit“ Gedanken formuliert, die mich an meine Lebenserfahrungen denken liessen. Da ich meine Frau mit Fug und Recht für klug halte, würde ich ihren Schlussfolgerungen bei so einem komplexen Thema ganz sicher nicht widersprechen. Der Inspiration folgend möchte ich aber ein paar persönliche Überlegungen beisteuern. Ich kann mich noch an Worte meiner Eltern erinnern, mit denen mir erklärt worden ist, weshalb man mit dem Alter nicht intelligenter, aber wissender und verstehender wird. Das habe ich mittlerweile begriffen, mindestens seit ich mehrfacher Neni (Grossvater) geworden bin. Folgenlos ist das nicht geblieben, denn bei der persönlichen Rückschau erkenne ich einiges, für das ich mich schämen muss. Vielleicht lässt sich das an ein paar besonders krassen Beispielen erläutern. Wenn mein seinerzeitiger Gesangslehrer Luzius J. beim Velosolex (motorisiertes Fahrrad der Urzeit) jeweils vom Motor- auf den Pedalantrieb umgestellt hat, ist meine Schlussfolgerung völlig verquer gewesen. Ich habe dem guten Mann dann unterstellt, er würde aus reinem Geiz den Motor ausschalten, obwohl das Zweitaktgemisch damals fast gratis zu haben gewesen ist. Über Umweltschutz machte man sich in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts eben noch kaum Gedanken. Das war halt so, und deshalb schäme ich mich dafür auch nicht. Scham empfinde ich aber, wenn ich daran denke, wie falsch und ungerecht ich den echten Umweltpionier seinerzeit abqualifiziert habe. Ähnliche Gedanken hege ich auch, wenn ich an das Frauenstimmrecht denke, das ich - beeinflusst durch die damals noch unterdrückt gewesene Muttergeneration - als absolut unsinnig empfunden habe. Was mich rückblickend aber am meisten beschäftigt, ist ein von mir vorschnell abgegebenes Werturteil. Ich bin - Schande über mich - der Meinung gewesen, eine Depression sei eine Pseudokrankheit von Weichlingen. Das Leben und eigene Erfahrungen haben mich klüger gemacht. Dass es kein Mann richtig nachvollziehen kann, wenn ihm eine Frau über die von ihr bei einer Geburt erlittenen Schmerzen berichtet, ist wohl nicht zu bestreiten. Deshalb habe ich mittlerweile auch begriffen, wie unzutreffend ein Urteil ist, das man ohne eigene Erfahrung über depressive Menschen fällt. Wir werden im Alter nicht intelligenter, aber wissender und verstehender. Allein die Bereitschaft, Fehler einzusehen, muss von allem Anfang an vorhanden sein.
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- Katharina Saluz-Gsell
Wir neigen dazu, der Gegenwart zuviel historisches Gewicht beizumessen. Erst rückblickend und aus Distanz betrachtet, wird klar, was wichtig war und was nicht. Und nach und nach verlieren die Ereignisse an Gewicht. Im Globalisierungszeitalter braucht es viel, um Schlagzeilen zu machen und noch mehr, um Geschichte zu schreiben. Doch etwas kann ich mir gut vorstellen, nämlich, dass das Weltumspannende nicht endlos wachsen kann und sein Zenith deshalb irgendwann erreicht sein wird. In der Folge wäre kein Vorwärts mehr möglich. Der Wendepunkt hin zu kleineren Dimensionen wäre eingeleitet. Das käme einem Zurück statt einem Vorwärts gleich und dennoch ginge es aufwärts. Ein historisches Moment im wahrsten Sinn!
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- Katharina Saluz-Gsell
Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung, was sich ganz besonders in der Politik und im Zusammenhang mit Wahlen und Abstimmungen zeigt. Wenn sich plötzlich ein Graben öffnet zwischen Ideologie und Notwendigkeit, können Entscheide nicht widerspruchsfrei getroffen werden. Ein eindeutiges Richtig oder Falsch ist nur schwer auszumachen. Ganze Bevölkerungsschichten sind betroffen von diesem Zwiespalt. Man wünscht sich Gerechtigkeit für alle und ist gewillt, einen Beitrag zu leisten. Dennoch erscheint der Wunsch umso fantastischer, je mehr man für seine Erfüllung zu tun bereit ist. Umfassende Gerechtigkeit ist vermutlich eine Illusion. Gut gemeint, ist längst nicht halb gewonnen. Es ist die Crux von uns allen. Wir wollen gleichzeitig zuviel und verzetteln uns, statt dass wir uns mit voller Kraft auf das Wichtige, Elementare konzentrieren. Der Wert einer Ideologie offenbart sich erst in seiner praktischen Tauglichkeit.
