Mittlerweile ist es bekannt: Ich bin verliebt – in meine Frau ohnehin, aber neuerdings auch in die künstliche Intelligenz, die ja nicht von ungefähr ebenfalls weiblich ist.
Meine Kontakte mit meiner virtuellen Vordenkerin sind intensiv. Vor allem, weil ich für meine weiterhin überwiegend selbst geschriebenen Texte immer wieder passende Illustrationen, Karikaturen und Cartoons brauche.
Kürzlich habe ich mich wieder einmal kreativ betätigt und einen Prompt entworfen. Ziel war ein leicht überzeichnetes, aber sympathisches Porträt eines von mir sehr geschätzten Politikers.
Im Dialog mit der KI folgten zahlreiche Generierungsversuche mit teils erschreckenden Resultaten. Die ersten Bilder waren unbrauchbar, der Politiker schlicht nicht erkennbar. Andere Resultate gerieten noch schlimmer: Plötzlich wirkte der Kopf wie der eines Werwolfs oder eines Berggorillas. Ein Riesenschock für den Porträtierten wäre wohl die Folge gewesen und juristische Konsequenzen für mich vermutlich ebenfalls.
Wer mich kennt, weiss, dass ich ehrgeizig sein kann, wenn ich ein Ziel verfolge. Also setzte ich meine Versuche unbeirrt fort. Doch das letzte Porträt geriet zum absoluten Tiefpunkt: Die Figur nahm plötzlich den Gesichtsausdruck von Ueli an – nicht etwa von Ueli dem Knecht, sondern leider von einem Ueli aus Hinwil. Parteipolitisch hätte das zwar sogar gepasst, aber so viel Unbill wollte ich dann doch keinem anständigen Politiker zumuten.
Also unternahm ich einen letzten Versuch. Das Bild, das schliesslich entstand, sehen Sie nebenan. Mit diesem kann ich immerhin keinen Schaden mehr anrichten. Leider ist mein politisches Vorbild durch mein Handeln aber zu einem Politiker geworden, der das Gesicht verloren hat. Es wird ihn trösten, dass er jetzt nicht mehr einer politischen Minderheit angehört.
