Viele von ihnen sind mittlerweile nicht mehr da, einige aber zurückgekommen. Gemeint sind jene Kameraden, die ich vor Jahren, sogar vor Jahrzehnten, kennen und schätzen gelernt habe. Wenn Kontakte während langer Zeit unterbrochen gewesen sind und plötzlich wieder erneuert werden, ist das faszinierend. Man entdeckt dann längst vergessene Gemeinsamkeiten und freut sich an diesen. Das Umgekehrte passiert allerdings auch. Das ist dann aber nicht so erfreulich.
Mir passiert es immer wieder, dass ich bei „wieder aufgetauchten“ Bekannten das Gemeinsame vermisse. Es ist zwar fast immer noch vorhanden, wenn wir Vergangenes besprechen. Beim Aktuellen fehlt leider sehr oft die Übereinstimmung. Das merke ich besonders dann, wenn politische Themen besprochen werden. Vor Urnenabstimmungen sind die Differenzen oft sogar riesig. Selbstgerecht führe ich das darauf zurück, dass ich mich weiterentwickelt habe…
Wenn der gemeinsame Nenner fehlt, verflüchtigt sich die Freude an alten Bekanntschaften. Dann wird die Kontaktpflege, die man gezwungenermassen nicht mehr unterbrechen kann, zum Zwang. Das würde jedes Gespräch mühsam machen, wenn es nicht die Vergangenheit und zusätzlich ein paar ganz widerliche Zeitgenossen wie Putin, Trump + Co. als einigenden Gesprächsstoff gäbe.
Geteilte Erinnerungen verbinden auch Menschen, die sich unterschiedlich entwickelt haben. Im Kreis von Männern werden daher sehr gerne militärische oder sportliche Erlebnisse besprochen. Das Lieblingsthema von Schweizer Männern meiner Generation ist wirklich der Militärdienst, über den man episch lange sprechen kann. Interessanterweise wird dabei ehemals Lästiges, Unangenehmes ganz lustvoll besprochen. Was damals Scheisse war, ist plötzlich Zuckerguss.
Wenn ich die Güteklasse meiner Bekannten summarisch bewerte, wird mir klar, dass es zwischen den Dauerbekannten und den wieder gefundenen einen spürbaren Unterschied gibt. Am liebsten pflege ich Beziehungen mit jenen Menschen, die sich gemeinsam mit mir unterbruchslos weiterentwickelt haben. Ihnen gegenüber empfand und empfinde ich stets Vertrauen und muss dieses nicht nach einem langen Unterbruch wieder aufbauen. Wir kennen uns und müssen uns deshalb nicht neu kennenlernen. Es stimmt einfach alles.
Einen traurigen Unterschied gibt es leider zwischen den beiden Bekanntenkategorien. Bei den einen kommt gelegentlich jemand dazu, bei den anderen fehlt immer öfter ein liebgewonnener Mensch. Dass man dann Trauer empfindet, ist normal. Bei vergessenen Menschen passiert das logischerweise nicht.
