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Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Des einen Uhl ist des andern Nachtigall

Aktuell gilt vor allem die modernisierte Umkehrung der alten Weisheit. Des einen Spass und Freude ist des andern Last und Leid. In Abwägung zwischen Vergnügen und Sicherheit haben Vernunft und Gerechtigkeit zurzeit das Nachsehen. Unvergleichbares darf nicht gegeneinander auf die Waagschale geworfen werden. Dennoch gewichtet unsere Landesregierung die Forderungen der Spass- und Vergnügungsgesellschaft höher als das Recht der Bevölkerung auf grösstmöglichen Schutz. Das ist bitter! Die Corona-Pandemie stellt das Verantwortungsbewusstsein der Regierenden offenbar auf eine harte Probe. Anders lässt es sich nicht erklären, dass politisch angeordnete Massnahmen im Kampf gegen die Krankheit gelockert werden, während sich das Virus weiter ausbreitet. Demokratische Rechte und Freiheiten stehen der ganzen Bevölkerung gleichermassen zu. Aber das ist die grosse Ungerechtigkeit – wer laut fordert, wird bevorzugt.

Regeln für mehr Gerechtigkeit

Seit Beginn des Covid 19-Ausbruchs gilt die Hauptsorge unserer Landesregierung der Besänftigung und Zufriedenstellung einer militant nach demokratischen Rechten und Freiheiten verlangenden Gesellschaftsschicht. Die Bevölkerungsmehrheit, die „nur“ um Leben und Gesundheit bangt und bereit ist, für etwas mehr Sicherheit Gewohnheiten aufzugeben und ihr Leben auf den Kopf zu stellen, erfährt indessen kaum Aufmerksamkeit. Weshalb das so ist, scheint logisch. Während Militanz und Gewaltbereitschaft der einen unsere Politiker auf Trab halten, zwingen die Sorgen und Ängste der andern nicht zum handeln. Aktionismus und Hast sind keine typisch schweizerischen Eigenschaften. Doch es herrscht Unruhe in der Bevölkerung. Die zögerlich angeordneten Restriktionen und Schutzmassnahmen gegen die Pandemie wecken unterschiedliche Gefühle. Bei der Frage, was nützlich und akzeptabel sei, gehen die Meinungen weit auseinander. Viele Schweizerinnen und Schweizer reagieren ernüchtert bis frustriert. Und wenn jetzt Kommunikationspannen des Bundes festgestellt werden, ist das höchstens die halbe Wahrheit. Die Widersprüchlichkeiten in der Berichterstattung zeugen vielmehr von einer verfehlten oder gar gänzlich fehlenden Strategie. Zu glauben, es genüge auf Vernunft und Einsicht der Bevölkerung zu setzen, ist ein fataler Irrtum. Der gut gemeinte Appell an die Freiwilligkeit und Eigenverantwortung vergrössert womöglich die Kluft zwischen Rücksichtslosen und Rücksichtnehmenden. Strengere Regeln schaffen hingegen, nebst mehr Sicherheit, auch mehr Gerechtigkeit.

Die Berner Schlaufe

Kennen Sie die „Berner Schlaufe“? Nein, gemeint sind nicht die Sitzreihen im Stadion, von denen aus die Berner Fans ihre Fussballer anfeuern. Vielmehr handelt es sich um einen im Regierungsumfeld beliebten Kommunikationsstil. Verantwortliche in den Bundesämtern, die Politiker und Vertreter der mit der Regierung kooperierenden Organisationen, praktizieren und pflegen ihn wie eine Sprache, die sich von Normaldeutsch abheben will. In langgezogenen Sätzen, reich an Windungen und Wiederholungen und mit dem unverkennbaren Kolorit der Mundart, schafft die „Berner Schlaufe“ ein Ambiente von Nähe, Vertrauen und wohliger Gelassenheit. Den immer selben, mantramässig vorgetragenen Aussagen fehlen pointierte oder eindeutige Worte. Alles bewegt sich im vagen Bereich. Das versetzt die Bevölkerung in einen meditativen Schlummerzustand und suggeriert, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Eines scheint indessen gewiss: die Verantwortungsträger unseres Landes denken sehr viel nach. Das betonen sie denn auch bei jeder Gelegenheit. Sollte sich eine Katastrophe anbahnen, wären sie gar bereit, zu handeln. Doch vorerst dürfen wir ruhig schlafen...


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