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SALUZER Der BLOG

Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Unverdiente Glorifizierung

Die nachträgliche Verherrlichung der Jugendunruhen von 1980 geht mir gegen den Strich. Ich gehöre zwar zur 68er-Generation, bin aber nie in die zerstörerische Gewalt involviert und nie an Demonstrationen beteiligt gewesen. Gleiches trifft auch auf meine Frau zu. Für sie ist die Erinnerung allerdings wesentlich unerträglicher, denn sie ist damals als Unbeteiligte auf dem Weg zur Wohnung zum absolut unschuldigen Opfer brutal prügelnder Stadtpolizisten geworden. Das Trauma hallt bis heute nach, nicht zuletzt deshalb, weil die üble Aktion der vermeintlichen Rechtshüter ungeahndet geblieben und einzig mit einem Entschuldigungsschreiben des zuständigen Stadtrates erledigt worden ist.

Bei meiner Frau und mir lösen die Krawall-Szenen dank unseren Vorgeschichten unterschiedlichste Reaktionen aus. Deshalb kann ich selbstverständlich hier nur meine eigenen Empfindungen wiedergeben. Sie sind von Abscheu geprägt, denn Gewalt und Zerstörung finde ich unerträglich. Dass man etwas will und bei Nichterfüllung eines Wunsches mit Krawall reagiert, kann ich nur mit Verachtung quittieren. Aus diesem Grund ertrage ich es auch nicht, wenn aus der ehemaligen Szene Selbstlob und Stolz erklingt. Manchmal frage ich mich sogar, ob bestimmte Exponentinnen und Exponenten das Denken auslassen, wenn sie sich selbstgefällig auf die Brust trommeln.

Ich bin für die in der Schweiz garantierte Meinungsfreiheit und akzeptiere selbstverständlich auch friedliches Demonstrieren. Gewalt auf allen Seiten ertrage ich nicht. Wer mit zerstörerischen Krawallen etwas erzwingen will, darf sein Ziel nie erreichen, und er verdient ganz sicher keine retrospektive Glorifizierung.

Klick im Hirn

Erschütternd traurige Bilder, wie sie die Corona-Pandemie in New York, Italien und anderswo hervorbrachte, haben uns betroffen gemacht. Betroffenheit allein genügt indessen nicht. Solange es uns selbst gut geht, führen die stärksten Bilder nach und nach zur Gewöhnung und somit zur Abstumpfung. Wir bleiben unbekümmert und arglos. Das menschliche Abwehrsystem ist Fluch und Segen zugleich. Indem es uns für die Schrecken der Realität desensibilisiert, befreit es uns von unerträglicher Angst. Doch Angstfreiheit macht anfällig für die Gefahr. Erst der entscheidende Klick im Hirn bringt die richtige Einstellung. Unser Schicksal liegt weitgehend in den eigenen Händen.

Wir sind mit Freiheit verwöhnt

Wir verteidigen die Freiheit wie das Leben selbst, auch wenn unsere Vorstellungen weit auseinander gehen. Freiheit kann vieles bedeuten. Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, die hehre innere Freiheit. Jeder definiert sie auf seine Weise, nach eigener Überzeugung und eigenem Bedürfnis. Vor allem hat sie aber auch etwas mit Demokratie zu tun. Denn Freiheit und Demokratie sind unzertrennlich. Sie gehören zusammen wie siamesische Zwillinge. Ein Paar wie aus einem Guss, zu dem wir Schweizerinnen und Schweizer eine innige Beziehung pflegen. Die Freiheit ist die Urmutter unseres politischen Bewusstseins. Wir lieben und vergöttern sie, doch im Taumel der Verklärtheit überschätzen und überfordern wir sie gerne. Als Überzeugte unseres politischen Systems wähnen wir uns manchmal stärker als wir sind. Mit unsern Ansprüchen und Erwartungen sind wir fordernd und masslos. Der Rückhalt, über den wir verfügen, der Wohlstand, die Sicherheit – das ist weiter nichts als unsere Normalität und genügt uns nicht, um richtig zufrieden und glücklich zu sein. Dafür ging es uns stets zu gut. Wir sind verwöhnt.


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