SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Der CLOUD Act ist ein US-amerikanisches Gesetz. Er ermöglicht es bestimmten US-Behörden, amerikanische Unternehmen wie beispielsweise Google zu verpflichten, Personendaten ihrer Kundinnen und Kunden herauszugeben – selbst dann, wenn diese Daten nicht in Rechenzentren in den USA gespeichert sind.
Damit wird der Zugriff auf Daten extraterritorial ausgeweitet: Entscheidend ist nicht der Speicherort, sondern die Zugehörigkeit des Unternehmens zum US-Rechtsraum.
Schweizer Datenschutzpraxis: Eine gefährliche Verharmlosung
In der Schweiz ist man sich der Tragweite dieser Regelung nicht überall bewusst. Im Kanton Zürich vertritt die für den Datenschutz zuständige Stelle die Auffassung, dass bei "gewöhnlichen" Personendaten eine Auslagerung der Datenbearbeitung von öffentlichen Organen an US-amerikanische Unternehmen in der Regel unproblematisch sei. Das Risiko von Grundrechtsverletzungen für betroffene Personen wird als gering eingeschätzt.
Ein erhöhtes Schutzbedürfnis wird nur bei besonderen Personendaten angenommen. Dazu zählen unter anderem Informationen über religiöse, politische oder gewerkschaftliche Ansichten, Gesundheitsdaten, Biometriedaten sowie Massnahmen der sozialen Hilfe.
Die Illusion "unproblematischer" Daten
Diese Einschätzung erstaunt durch ihre Naivität. Dass die amerikanische Regierung auch über europäische Rechenzentren auf Daten zugreifen kann, sofern diese von US-Unternehmen betrieben werden, ist höchst beunruhigend.
Besonders problematisch ist die vermeintlich klare Trennung zwischen "unproblematischen" und "schutzbedürftigen" Personendaten. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz und der immer häufiger eingesetzten Algorithmen ist das Verknüpfen von Datensätzen unterschiedlichster Herkunft technisch trivial. Was heute als harmlos gilt, kann morgen hochsensibel sein.
Naivität als Risiko im hybriden Krieg
Wir leben im Zeitalter hybrider Kriege. In einem solchen Umfeld kann Naivität tödlich sein. Auf die Katastrophe zu warten, ist keine Option. Die zahlreichen Pannen und Störungen der letzten Zeit sollten Anlass für Wachsamkeit und grundlegende Verhaltensänderungen sein.
Technologische Abhängigkeiten reduzieren
Amerikanische Betriebssysteme und Software sollten so rasch wie möglich ersetzt werden. Mit allergrösster Dringlichkeit gilt dies für alle Windows-Varianten und sämtliche Microsoft-Programme. Ebenso sollte auf amerikanische Messengerdienste und Google verzichtet werden.
Die Abhängigkeit von wenigen, ausländischen Technologieanbietern stellt ein erhebliches sicherheitspolitisches Risiko dar.
Bargeld und digitale Selbstständigkeit
Die notwendigen Verhaltensänderungen betreffen insbesondere den Umgang mit Bargeld und das Arbeiten am Computer. Bei einem Internet-Super-GAU funktioniert ohne Bargeld nichts mehr. Es muss jederzeit verfügbar sein und für alle wichtigen Dienstleistungen eingesetzt werden können.
Ebenso wichtig ist es, dass Privatanwenderinnen und Privatanwender wieder vermehrt mit Insellösungen arbeiten: Daten sollen lokal auf der eigenen Maschine bearbeitet und gespeichert werden. Eine Internetverbindung sollte nur kurzzeitig für die Übermittlung abgeschlossener Datenpakete genutzt werden.
Wird die Verbindung unterbrochen – kurz- oder längerfristig –, bleibt der Datenverlust begrenzt und das Weiterarbeiten möglich.
Zwang zur Onlinearbeit: Ein falscher Weg
Völlig unverständlich ist es, wenn Kundinnen und Kunden zur permanenten Onlinearbeit gezwungen werden, obwohl die Datenübermittlung nach Abschluss einer Arbeit die deutlich bessere Lösung wäre.
Ein negatives Beispiel lieferte kürzlich das Steueramt des Kantons Zürich, das Steuerpflichtige entweder zur Onlinearbeit oder zur Rückkehr zum händischen Ausfüllen der Steuererklärung zwingt. Beides ist weder zeitgemäss noch krisenfest.
Übrigens hat sich das Steueramt des Kantons Zürich in den vergangenen Jahren gegen seine eigenen Interessen gewehrt und die Zustellung fertig bearbeiteter Datenpakete als nicht möglich bezeichnet. Paradoxerweise ist das jetzt für einmal möglich. Man kann nun die letzte, noch auf dem eigenen PC erstellte Steuererklärung plötzlich doch einlesen und im Internet weiterbearbeiten. Ich frage mich, warum das jetzt möglich ist und in früheren und künftigen Jahren nicht.
Warten oder handeln?
Seit Langem habe ich das Gefühl, dass die Apokalypse längst begonnen hat. Kriege, Katastrophen und die fortschreitende Umweltzerstörung sind deutliche Indizien dafür. Der Weg ins Dunkel kann schleichend sein und sich über Jahre erstrecken. Tritt jedoch der Internet-Super-GAU ein, wird die Zeit knapp. Sehr knapp. Wollen wir weiter zuwarten oder endlich handeln?
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- Katharina Saluz-Gsell
Ein für Sprachästheten hässlicher Begriff greift um sich. Auch wenn er nicht wirklich inflationär oft zu hören und zu lesen ist, nimmt man ihn, wo immer er in Erscheinung tritt, als raumgreifend wahr. Der "Paradigmenwechsel" ist unwiderruflich im Vormarsch. Nicht nur sprachlich, vermeintlich auch physisch wirksam. Das verunsichert, schürt Ängste und sorgt auch bei sprachlich Unempfindlichen für schwer definierbare unangenehme Gefühle.
Weil aber niemand weiss, was genau gemeint ist, wenn von ihm gesprochen wird, macht er mitunter auch Hoffnung. Seine Verwendung in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft appelliert denn auch gezielt an die Zuversicht und die arg strapazierte Glaubensfähigkeit der Menschen. Ein Fremdbegriff mit positiver Wirkkraft also? Stark allein durch seine Nennung? Doch seien wir ehrlich: Er ist der Not geschuldet, und die Menschen wissen und spüren das.
Jeder Wechsel birgt Überraschungspotenzial. Wird er in Wörterbüchern abstrakt und umständlich erklärt, bleibt seine Begrifflichkeit dennoch schwer fassbar, auch wenn er kurz und bündig als "Zeitenwende" in die gängige Sprache eingeht.
Wir müssen uns für das offenbar Unausweichliche wappnen. Mit vermehrter Selbstbesinnung. Mit Resilienz, Empathie und Gerechtigkeitssinn. Mit echter Menschlichkeit, die sich böswilligen Übergriffen widersetzt und verführerische Angebote in den Wind schlägt.
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- Peter-Jürg Saluz
Eine stille, gute Nacht
Die letzte Nacht ist gut gewesen – schlafarm wie immer, aber gegen Morgen mit einem wunderschönen Traum. Endlich einmal sind die Albträume eine Nacht lang ausgeblieben. Ich fühlte mich wohl und wäre am liebsten im Traumland geblieben.
Wenn das Denken erwacht
Meine realistische Denkmaschine ist jedoch schon beim Aufstehen wieder aktiv geworden. Schliesslich musste ich die in der nächtlichen Wachphase konsumierten TV-Sendungen verarbeiten. Unter anderem bin ich mit einer artistischen Darbietung unterhalten worden. Nun frage ich mich, ob Langeweile und Bewunderung zusammenpassen.
Die artistische Leistung ist wirklich beeindruckend gewesen, hat mich aber trotzdem gelangweilt, weil ich mit solchen Darbietungen nicht viel anfangen kann. So beginnt mein morgendliches Denken bereits mit einer Frage – und diese führt gleich zur nächsten. Ich frage mich nun nämlich, welchen Nutzen Fragen überhaupt haben.
Die Kunst des Fragens
In jungen Jahren bin ich regelmässiger Radiohörer gewesen, nicht nur wegen der Hitparade. Zwei Sendungen haben mich besonders interessiert. Ihre Titel – «Briefkastenonkel» und «Vater, ist’s wahr?» – lassen bereits erkennen, weshalb sie meine Aufmerksamkeit fanden. Ich bin nämlich sehr wissbegierig gewesen – und bin es übrigens auch heute noch.
In meinem Fall sollte man Wissbegierde jedoch nicht mit Neugier verwechseln. Letztere wäre in meinem früheren Berufsleben nämlich sehr schädlich gewesen.
Warum Fragen unverzichtbar sind
Wenn ich mir heute Fragen über das Fragen stelle, schadet das sicher niemandem. Mir scheint jedoch, dass das Fragen aus der Mode gekommen ist. Das bedaure ich sehr, denn Kinder, die Mutter und Vater – oder, um einen neusprachlichen Unsinn zu berücksichtigen, ein Sternchen – befragen, bilden sich selbst und die Befragten weiter. Fragen sind Treibstoff für den Denkapparat.
Eine letzte, offene Frage
Nun fragen Sie sich vielleicht, was ich mit diesem Text beabsichtige. Das ist eine sehr gute Frage – besonders dann, wenn Sie sie sich selbst beantworten.
