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Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Pizzeria Corona

Es mag sein, dass ich ein Fatalist bin. Vielleicht ist das sogar nützlich. Ich glaube an das Endliche des Lebens und halte das Sein in Übereinstimmung mit Erich Kästner seit je für lebensgefährlich.

Nach meinem Dafürhalten leben wir im Zeitalter der Hysterie. Alles wird zum Schreckgespenst aufgeblasen. Logisches Denken und eine gewisse Abgeklärtheit sind nicht mehr zeitgemäss. Weil Verlässlichkeit längst keine Tugend mehr ist, sind Horrorszenarien und damit verbundene Ängste allgegenwärtig. Da mache ich einfach nicht mit!

Ich bin schon als Kind an häufiges Händewaschen gewöhnt worden und habe auch nie auf den Boden gespuckt oder Abfall achtlos weggeworfen. Dass man sich beim Niesen und Husten abwendet und etwas – im Notfall den Hemdsärmel – vor Mund und Nase hält, muss mir auch niemand sagen. Absoluten Schutz gibt es natürlich trotzdem nicht. Ein Satz stimmt allerdings: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wir sollten daher unaufgeregt, aber mit einem gewissen Gefahrenbewusstsein durch den Alltag schreiten. Wer Menschenansammlungen meiden kann, soll das tun. Er muss aber auch nicht in Todesangst verfallen, wenn er nicht jedem Risiko ausweichen kann. Die Gefahr, angesteckt zu werden, ist immer noch klein, und selbst bei einer Ansteckung kann in der Regel mit einem milden Krankheitsverlauf gerechnet werden, wenn keine anderen Krankheiten bestehen. Dass Risikopatienten besonderen Schutz brauchen, will ich aber nicht in Abrede stellen.

Mein Leben und mein Verhalten wird der Corona-Virus nicht verändern. Ich werde wie bisher alle Hygienevorschriften beachten und besonders gegenüber allen Mitmenschen rücksichtsvoll sein. Die Lebensfreude kann mir der Corona-Virus nicht nehmen. Das liesse sich sogar beweisen, wenn ich mobil wäre. Ich würde dann nämlich in der Pizzeria Corona fürstlich tafeln und mit edlem Wein auf glückliche Zeiten anstossen. Mein Motto „Pizza essen – Angst vergessen“ liesse sich sicher auch in Italien verbreiten.

Wer abhebt, verliert an Terrain

Wer sich Menschen fremder Herkunft oder Minderheiten gegenüber diskriminierend äussert, setzt sich der Kritik aus. Unser Bewusstsein für eine korrekte, durch Moral und Ethik bestimmte Sprache ist über die Jahre gewachsen. Wir reagieren zu recht empfindlich, wenn Worte die Menschenwürde verletzen und in Frage stellen. Sprache ist ein Frühwarnsystem zur Erkennung menschenverachtender und rassistischer Gesinnung und hilft, üble Tendenzen im Keim zu erfassen. Vielleicht machen wir uns zu Betroffenen der eigenen Wahrnehmung. Verallgemeinernde und herabwürdigende Redewendungen müssen offengelegt und eliminiert werden. Gut, hat sich eine Bewegung gebildet, die zur Selbstkontrolle und zum Kampf gegen sprachliche Diskriminierung aufruft! Dass man mit anmassender Sprache hart ins Gericht geht, ist ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit. Nur genügt es nicht, dass eine Bewegung das richtige Ziel verfolgt, sie muss von ihren Anhängern auch verstanden werden. Ansonsten splittern Teile von ihr ab und werden zur Stolperfalle. Oder sie formieren sich zur Gegenbewegung. Gute Absicht, die abhebt, verliert an Terrain. Wer sich für andere Menschen einsetzen will, muss auf dem Boden bleiben. Nur so kann aus Korrektheit Gerechtigkeit werden.

Redisfeder und Fliessblatt

Wenn ich meinen Enkelkindern von Redisfedern, Fliess- bzw. Löschblättern, Ärmelschonern und „Tintenlümpli“ erzählen würde, müsste ich das ziemlich ausführlich tun. Mit den Begriffen könnten sie ohne zusätzliche Erläuterungen kaum etwas anfangen. Das macht mir bewusst, wie alt ich geworden bin.

Es ist vieles in Vergessenheit geraten, manchmal sogar glücklicherweise. Dass meine Enkelkinder nicht wissen, weshalb man heute Flüsse und Bäche renaturieren und Hochstammbäume neu anpflanzen muss, erspart meiner Generation und früheren Generationen die Blamage. An die brutalen und widersinnigen Ausmerzaktionen, die unsinnigen Eingriffe in die Natur und an viele andere Schandtaten der Vergangenheit möchten wir gar nicht mehr erinnert werden. Die Behauptung, dass das Zerstören und anschliessende Wiederherstellen einen grossen volkswirtschaftlichen Nutzen erzielt und der Arbeitsbeschaffung dient, würde bei unserer Klimajugend höchstens ein Kopfschütteln bewirken. Trotzdem wird sich am System nie etwas ändern, weil viel zu viele wirtschaftliche Interessen im Spiel sind. Zudem werden oft Lösungen mit temporärer Wirkung bevorzugt und anschliessende Spätfolgen einfach hingenommen.

Weil immer mehr Bauwerke im Untergrund erstellt werden, überlassen wir den Folgegenerationen eine Infrastruktur, deren Unterhaltskosten einmal jede Dimension sprengen werden. Wenn wir ungeachtet aller schädlichen Nebenerscheinungen das Hohelied der Elektromobilität singen, verkennen wir das Hauptproblem. Die zügellose Mobilität wird mit Elektrizität nämlich nicht verringert. „Nach uns die Sintflut“ darf doch nicht unser Lebensmotto sein.

Es ist einfach tragisch: Wir werden immer erst klüger, wenn wir den Schaden bereits angerichtet haben. Ich warte bereits jetzt darauf, dass wir das analoge Telefonnetz wieder aufbauen, weil die Internet-Telefonie störungsanfällig ist und oft im dümmsten Moment ausfällt. Notrufnummern, die stunden- oder gar tageweise ausser Betrieb sind, müssten doch schon längst ein Umdenken bewirken.

Meine Enkelkinder kennen viele Begriffe nicht mehr, die mir vertraut sind. Sie haben mir trotzdem vieles voraus. Sie stellen unentwegt Fragen, die uns herausfordern und inspirieren. Von Peter Spuhler möchten sie vielleicht wissen, warum die Stadler Rail AG die Dächer ihrer Züge nicht längst mit stromerzeugenden Solarpanelen ausstattet. Die Antwort würde auch mich interessieren. Eine Frage sollen meine lieben Enkel mir aber bitte nicht stellen. Ich käme nämlich in arge Verlegenheit, wenn ich erklären müsste, warum meine Generation so oft so dumme Fehler gemacht hat und - leider, leider - immer noch macht.


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