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Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Das Quartalstreffen

Geht es Ihnen auch so? Immer, wenn sich Bekannte oder Verwandte nach Jahren des Nichtsehens an einer Trauerfeier treffen, versprechen sie sich „Das nächste Mal…“. Ich bin in dieser Hinsicht keine Ausnahme gewesen und habe daher viele Kontakte vernachlässigt und am Schluss sogar verloren.

Da ich mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen gar keine Feier mehr besuche, kann ich kaum mehr neue Kontakte knüpfen und den spärlichen Rest nur noch per E-Mail oder telefonisch pflegen. Einige wenige persönliche „Triple A-Kontakte“ sind mir aber doch noch geblieben. Zusammen mit meiner Frau darf ich diese seltenen Kostbarkeiten pflegen. Daher habe ich von inhaltslosen Versprechungen längst Abstand genommen und eine spezielle Strategie entwickelt.

Ich locke einen handverlesenen Freundeskreis in Kleinstgruppen in unser Haus. Der Hinweis, dass die Gäste von meiner Frau bekocht werden, genügt meistens, um die Falle zuschnappen zu lassen. Wenn sich meine Wunschgäste einmal eingefunden und wir zusammen gegessen und gesessen haben, werde ich aufsässig. Dann darf man unser Haus erst wieder verlassen, wenn der nächste Besuchstermin verbindlich festgelegt ist. Weil ich eine grössere Zeitspanne zwischen den einzelnen Besuchen nicht akzeptiere, nennen wir das, was jetzt regelmässig zustande kommt, „Quartalstreffen“. Der Satz vom nächsten Mal fällt allerdings immer noch. Jetzt wird er aber mit einem Datum und mit freudiger Erwartung versehen. Deshalb steht meiner Frau und mir bereits wieder so ein erfreuliches Ereignis bevor.

Wie gesagt: Unser Bekanntenkreis ist kleiner, aber viel gediegener geworden. Ich werde an keinen Feierlichkeiten mehr teilnehmen, aber - nicht nur deshalb - ganz sicher auch nie mehr den Satz „Das nächste Mal…“ unvollständig und ohne Terminnennung aussprechen. Die Systemänderung lohnt sich übrigens sehr. Ich bin nach jedem Quartalstreffen zufriedener und dank unseren Gästen auch klüger geworden. Inspirierende und bildende Gespräche passen eben hervorragend zu gutem Wein und feinem Essen. - Denken Sie daran, wenn Sie bei Gelegenheit wieder einmal vom nächsten Mal sprechen…

Gebenedeites und Vermaledeites

Wenn katholische Menschen zu Maria gebetet und die „Frucht ihres Leibes gebenedeit“ haben, bin ich als Kind immer fasziniert gewesen. Beeindruckt hat mich zwar nicht das Gebet an sich, aber der Begriff „Leibesfrucht“. Den mag ich nämlich noch heute, weil in ihm eine inspirierende Kraft steckt.

Dass man Frucht mit einem einzigen Tippfehler zur Furcht machen kann, geht mir im Zusammenhang mit der Leibesfrucht immer wieder durch den Kopf. Manche Leibesfrucht enthält nämlich einen Samen, der erst Jahre nach einer Geburt keimt und grundlos Hass und Angst verbreitet. Dieser Keim ist der Ursprung aller Kriege und manifestiert sich am Anfang fast wie ein zartes Pflänzchen. Deshalb passt auch die Aufforderung „Wehret den Anfängen!“. Das sollte besonders in der zunehmend von Mobbing betroffenen Berufswelt Beachtung finden.

Mobbing ist die Vorstufe zum Faustkampf und daraus kann Krawall und im schlimmsten Fall sogar Krieg entstehen. Das mag theatralisch klingen, ist aber zutreffend. Die Mobbingfälle werden immer zahlreicher und wachsen sich zur Epidemie aus. Ich erlebe das schon in meinem Bekanntenkreis und kenne daher etliche Personen, die bis zum Totalausfall Mobbingattacken ausgesetzt sind und sogar Suizidgedanken hegen, obwohl sie Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit verdient hätten.

Wer andere Menschen mobbt, ist ein Scheusal, und wer als Vorgesetzter nichts dagegen unternimmt oder durch eigenes Fehlverhalten sogar noch etwas dazu beiträgt, ist ein charakterloser Feigling. Leider vermehrt sich diese Menschengattung hierzulande ebenfalls rasend schnell. Für die sich rasch ausbreitende Seuche gibt es sogar schon einen Fachbegriff. Man spricht von „Bossing“ und muss dann gar nichts mehr erklären. Eines weiss ich ohnehin: Wenn die Frucht des Leibes tatsächlich gebenedeit ist, dann muss Bossing und die damit bewirkte Furcht vermaledeit sein - sogar vermaledeiter als Mobbing unter Gleichgestellten.

Unsterblich dank Bologna

Das, was ich bin, darf ich nicht sein. Da denkt man doch, dass man nach einem langen Berufsleben den Ruhestand geniessen kann, und merkt dann plötzlich, wie falsch diese Annahme ist. Für das Rentnerdasein bin ich einfach nicht ausreichend qualifiziert. Hätte ich mindestens einen passenden Bachelor oder - was noch viel besser wäre - einen Master of Senility würde mir niemand das Recht auf die neue Freiheit absprechen. Aber so?

Weil ich meine durch Arbeit erworbene Position nicht aufgeben will, muss ich meine Negativ-Employability unbedingt verbessern. Mir fehlen dafür jedoch noch unendlich viele ECTS-Punkte. Sie zu sammeln, wird mühsam. Altersbedingte Vergesslichkeit bringt wenig ein. Mangelnde Beweglichkeit ist bereits etwas besser. Am meisten ECTS-Punkte könnte ich wohl mit dualer Inkontinenz erreichen. Davon bin ich aber noch weit entfernt. Die akademische Legitimierung meines Rentnerdaseins ist daher kaum zu erreichen.

Vermutlich muss ich einfach im Niemandsland zwischen Erwerbsleben und Nichtstun auf die nächste Epoche warten. Wenn sich dann aber einmal der Tod anmeldet, werde ich bereits mit dem nächsten Problem konfrontiert: Mir fehlt ein Bachelor oder gar Master Letalis, und deshalb werden mir sowohl die Himmelstüre als auch die an sich passendere Höllenpforte versperrt bleiben. Die Bologna-Reform hat mich demnach unsterblich gemacht!


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