SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Warum Schweigen keine Option ist
Eigentlich ist es ziemlich dumm von mir, aber Donald Trump beschäftigt mich noch immer viel zu oft. Deshalb habe ich kürzlich wieder einmal mit einem sehr guten Bekannten, einem hochgebildeten Juristen und Denker, über ihn gesprochen. Die Gedanken, die wir dabei sortiert haben, sind zuerst im stillen Kämmerlein geblieben. Man weiss ja, wie schnell man sich Klagen einhandelt, wenn der Tribun Kritik bemerkt.
Mein Bekannter würde wie ich nie behaupten, Trump sei geistesgestört oder gar ein Verbrecher, obwohl …
Es ist unser Glück, dass wenigstens die Gedanken noch immer frei sind. Konkret äussern können wir uns aber auch noch. Wir müssen uns nur auf die Personen konzentrieren, die mit Trump zu tun haben.
Über Erpresser, Vetos und das Lachen als Waffe
Für sie haben wir nicht das geringste Verständnis, wenn sie dem amerikanischen Präsidenten die Füsse küssen oder, nach seiner eigenen Terminologie, in den A... kriechen. Die entsprechende Gefahr ist immer manifest.
Wenn mein Bekannter und ich im Zusammenhang mit Donald Trump Entscheidungen treffen könnten, würde uns einiges einfallen. Die alte Regel, nach der man Erpressern nie, nicht einmal ein erstes Mal, nachgeben darf, wäre unsere oberste Maxime. Obwohl wir die im Sicherheitsrat geltenden Vetoregeln kennen, würden wir lautstark für eine Dringlichkeitssitzung plädieren.
Dass es niemandem ums Lachen ist, wenn es um Trump geht, weiss ich. Trotzdem würden mein Bekannter und ich das Lachen gerne als Waffe einsetzen. Für seine bizarsten Ideen sollte man Trump ganz einfach auslachen. Tragikkomik gibt es bei ihm ja am laufenden Band, leider aber immer mit tödlichem Ernst.
Ein unerfüllbarer Wunschtraum
Dass ein Kriegsverbrecher und ein dem Frieden nicht mehr verbundener Nichtpreisträger gegen ein gigantisches Honorar für Frieden im Gazastreifen sorgen wollen, ist ein lautstarkes Auslachen wert. Ich hoffe, dass man das auch in Bern bemerkt, damit sich aus der Schweiz niemand vor Trumps und Putins Karren spannen lässt.
Vielleicht löst sich das aber von selbst, weil die Schweizer Politikerinnen und Politiker erstarren, sobald ihnen das Lachen im Hals stecken bleibt.
Einen leider unerfüllbaren Wunschtraum hegen mein Bekannter und ich auch: Trump sollte in allen noch demokratischen Ländern eine Persona non grata sein. In unseren Gedanken ist er es längst.
Ein Gedanke zum Schluss
Vielleicht finden Sie es seltsam, wenn ich als passionierter Kritiker vergangener Rechtschreibreformen am Schluss dieses Textes noch eine temporäre Wortänderung vorschlage:
Solange Trump wirkt, sollten wir Honorar so schreiben: Hohnorar.
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- Peter-Jürg Saluz
Eine kleine Unterbrechung mit grosser Wirkung
In diesen Tagen geschieht bei uns etwas, das vielleicht von Zeit zu Zeit in jedem Haus stattfinden sollte: Unsere Strom- und Wasserversorgung wird unterbrochen. Der Unterbruch wird jedoch nur kurz dauern. Wir werden keine Berliner Verhältnisse erleben, und das Leid, das der ukrainischen Bevölkerung durch Putin zugefügt und von Trump gebilligt wird, müssen wir nicht ertragen. Dennoch ist es wertvoll, einmal selbst zu spüren, was fehlendes Wasser und Strom bedeuten und bewirken. Wir Wohlstandsmenschen können uns kaum vorstellen, was in der Ukraine, im Gazastreifen oder in anderen Kriegs- und Katastrophengebieten passiert.
Gedanken über Kriegsverbrecher
Ich bin überzeugt, dass sich Kriegsverbrecher und ihre Unterstützer genau solche Verhältnisse in aller Ruhe vorstellen. Völkermord ist für sie offenbar nicht nur Mittel zum Zweck, sondern oft auch die Grundlage enormer Deals. Vielleicht pflegen Putin und Trump deshalb sogar eine heimliche Freundschaft.
Klugheit und Erfahrung
Klugheit wächst nicht automatisch mit den Jahren – das weiss ich. Aber fehlende Klugheit lässt sich oft durch Lebenserfahrung ausgleichen. Über Schmerz kann man besser sprechen, wenn man selbst schon Schmerzliches erlebt hat, sei es körperlich oder seelisch.
Die Grausamkeit des Krieges
Die hier geäusserten Gedanken sollen niemandem Schaden zufügen. Man muss nicht selbst in den Krieg ziehen, um ihn zu verstehen. Die Grausamkeit von Kriegen ist seit jeher bekannt. Nur Kriegsverbrecher und ihre Anhänger scheinen diese Einsicht zu vermissen; ihre Empfindungen sind oft das genaue Gegenteil. Es ist daher eine Katastrophe, dass menschenverachtende, mordlustige und machtgierige Verbrecher das Geschehen bestimmen.
Ein letzter Gedanke
Ich wünsche diesen Menschen kein langes Leben. Würde ich ihnen begegnen, würde ich sie mit „Abi ad corvos!“ begrüssen. Für mich wäre das weit mehr als nur rabenschwarzer Humor.
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- Peter-Jürg Saluz
Demokratie, Ohnmacht und die Pflicht zum Protest
Vor einigen Jahren habe ich das Ende des Baumsterbens prophezeit. Ich war mir sicher – und bin es bis heute –, dass meine Vorhersage zutreffen würde bzw. zutrifft: Sobald der letzte Baum verschwunden ist, wird das Sterben tatsächlich ein Ende haben...
Heute erinnert mich meine damalige Prophezeiung an Amerika. Im ehemaligen Land der tausend Möglichkeiten wird auch niemand mehr den Untergang der Demokratie befürchten, wenn der gesetzlose Donald das letzte Volksrecht unwiederbringlich zertrümmert hat.
Diese Gedanken beschäftigen mich in den ersten Stunden eines Tages, der sonnig zu werden verspricht. Doch die sonnigen Aussichten vermögen den Trübsinn nicht zu vertreiben. Was auf der Welt geschieht, lässt mich verzweifeln – vor allem, weil Zaghaftigkeit und Wankelmut an die Stelle von Solidarität, Mut und Standfestigkeit getreten sind.
Noch gibt es Menschen, zu denen man aufschauen kann und mit denen man sich solidarisieren muss, selbst wenn dies Nachteile für einen selbst oder gar für das eigene Land mit sich bringt. Von der Uno ist in diesem Zusammenhang wenig zu erwarten. Zur Sicherung von Demokratie und Frieden ist sie untauglich. Das „rachitische Kind“ hat zu instabile Knochen, und der angeblich so wichtige Sicherheitsrat hat seit jeher gestutzte Flügel. Dank des Vetorechts der Grossmächte können seine Friedenstauben nie hochfliegen.
Nun habe ich vieles aufgezählt, das ich gerne ändern würde, aber nicht kann. Die Frage bleibt, ob ich tatsächlich keinerlei Möglichkeiten habe. Handlungsunfähigkeit macht krank – und das möchte ich nicht werden. Weil ich mich dennoch nicht hilflos fühlen will, werde ich, wann immer und wo immer ich kann, nachdrücklich protestieren, mich dabei jedoch auf wesentliche Themen konzentrieren. Davon gibt es genug. Es braucht also ganz sicher keine kindischen Ideen und ganz bestimmt auch keine Randale.
Lasst uns menschlich, solidarisch und anteilnehmend sein und bleiben. Lasst uns gemeinsam gegen jedes Unrecht und für weltweite Demokratie kämpfen. Auch wenn unsere individuellen Mittel begrenzt sind, dürfen wir uns nicht entmutigen lassen.
