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Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Das gilt sogar für Klimakämpfer

Wenn Rupert Read von Extinction Rebellion sagt, um Gerechtigkeit zu erlangen, müsse man manchmal Dinge tun, die gegen das Gesetz verstossen, muss ich ihm widersprechen. Man hört das Argument in letzter Zeit zwar immer mal wieder und nicht nur von Seiten der Klimabewegung. Aber hätten alle recht, die glauben, das Gesetz im Interesse eines höheren Ziels brechen zu müssen, gälte binnen Kurzem das Faustrecht. Gruppen und Grüppchen nähmen die Ausnahmeregel für sich in Anspruch, stets mit der Begründung, Gutes erreichen zu wollen. Wir fielen zurück in eine düstere Vergangenheit, die doch hoffentlich für immer vorbei ist. Recht behält Rupert Read meiner Meinung nach, wenn er im Zusammenhang mit Energie und Verkehr wieder lokalere Strukturen fordert. Damit spricht er sich gegen eine Erscheinung der im Eiltempo vorangetriebenen Globalisierung aus. Was man für erstrebenswert und fortschrittlich hält, entspricht vielleicht nicht wirklich den Erfordernissen unserer Zeit. Fortschritt ist manchmal keine eindeutig zu definierende Grösse. Oft ist es nicht möglich, in allen Belangen gleichzeitig richtig zu handeln, weil das eine das andere ausschliesst. Das macht die Politik kompliziert - eine wertfreie, aber nützliche Feststellung, die auch militante Kämpferinnen und Kämpfer gegen den Klimawandel verinnerlichen sollten.

Wo jeder recht hat

Gegen verbale Attacken und perfide Unterstellungen ist kein Kraut gewachsen! Man braucht dazu nicht einmal in einen richtigen Streit verwickelt zu sein. Ein Aufeinanderprallen verschiedener Denkweisen kann genügen, um die Stimmung aggressiv werden zu lassen und vom Gegenüber kaltschnäuzig abgeurteilt und in eine Schublade gesteckt zu werden. Auch mit angemessener Argumentation lässt sich eine negative Gesprächsentwicklung nicht unbedingt verhindern. Spielen Eigeninteressen, Ideologien oder Glaubensfragen im weitesten Sinn mit, sitzen Logik und Vernunft am kürzeren Hebel und lassen keine eindeutigen Rückschlüsse mehr zu. Ein Mechanismus, der nach fixem Programm abläuft, verhindert den Durchblick. Worte werden gedrechselt und umgedeutet. Die vermeintliche Wahrheit leidet und wird zwischen zwei Polen hin- und hergerissen. Zwischen Schwarz und Weiss. Die Grautöne und bunten Farben dazwischen werden ignoriert und als Niemandsland wahrgenommen. Man differenziert höchstens ausnahmsweise und zur Wahrung des eigenen Vorteils. Nur das Extreme zählt. Nur das volle Ganze. Gespräche, welche diesem Muster folgen, schaffen keine Klarheit. Sie hinterlassen das schale Gefühl, nicht verstanden oder sogar gezielt falsch verstanden zu werden. Eine Strategie, die etwas anderes als Resignation verspräche, existiert nicht. Dennoch gibt es ein Gegenmittel. Man lasse seinen mit Worten fechtenden Widerpart ins Leere laufen. Ins Abseits, wo niemand widerspricht, weil niemand zuhört. Dahin, wo jeder recht hat, der auf beiden Ohren taub ist

Der Klimaschutz und wir

Nichts gegen Greta, aber meine Familie und ich haben nicht auf sie gewartet. Umweltschutz ist seit Jahren unser Thema. Das merkt man schon in unserem Garten, in dem sich die Natur richtig austoben darf. Einschränkungen gibt es nur beim Kirschlorbeer, dem wir jeweils alle Blüten und die vereinzelt trotzdem noch wachsenden Beeren entfernen. Diese mittlerweile gefürchtete Pflanze, soll sich ja nicht über den Gartenzaun hinaus ausbreiten.

Unser Auto, das wir aus besonderen Gründen betriebsbereit halten, ist mittlerweile mehr als 26 Jahre alt. Das Fahrzeug hat jede Prüfung beanstandungslos überstanden und sieht noch immer neuwertig aus. Amüsierte Freunde von uns behaupten, dass wir am meisten Kilometer fahren, wenn unser Auto jeweils vorgeführt werden muss. Vermutlich stimmt das sogar. Auf jeden Fall spart die langjährige Nutzung auch viel graue Energie, weil wir auf Neuanschaffungen verzichten. Leider lohnt sich unser Konzept bei den Verkehrsabgaben und bei der Versicherung nicht. Wir haben dafür nämlich 26 Jahre lang gleich viel wie die Vielfahrer bezahlt…

Eigenartige und im Sinne des Klimaschutzes systemwidrige Regelungen gibt es übrigens auch bei der Energieversorgung. Weil die Stromnetznutzung separat und unabhängig vom Verbrauch bezahlt werden muss, kommen die seltsamsten Rechnungen zustande. Ich habe eben eine Faktura gesehen, mit der ein Strombezug von Fr. 20.14 und eine Netznutzungsgebühr von Fr. 132.29 in Rechnung gestellt wurde. Dieses Beispiel zeigt, dass der Sparsame nicht profitiert. Es wäre daher sinnvoller, wenn der von den Konsumenten zu bezahlende Strompreis erhöht würde und die Energieverkäufer dafür die Netznutzungsgebühr bezahlen würden.

In meiner Familie machen wir uns wirklich täglich Gedanken, weil wir jeden uns möglichen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Gründe, weshalb wir uns bei diesem Thema auf die Schultern klopfen dürften, gibt es mittlerweile einige. Wir wissen schliesslich, dass wir mit Vernunft auch uns selbst etwas Gutes tun. Trotzdem kann ich einigen Argumenten gewisser Heilsapostel nichts abgewinnen, besonders dann nicht, wenn diese mit masslosen Forderungen auftreten und dabei die Sozialverträglichkeit ausser acht lassen. Gegen unsoziale Massnahmen werde ich daher weiterhin ankämpfen und im Bedarfsfall jedes Referendum unterschreiben.

Übrigens untergräbt manchmal auch die Presse mit unbedarfter Berichterstattung die Sozialverträglichkeit. Wenn eine SDA-Mitteilung mit dem Titel „CO2-Abgabe würde Villenbesitzer treffen“ unreflektiert verbreitet wird, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Dass es „für die Eigentümer älterer Villen teurer werde, wenn diese nicht bereit seien, die Heizung zu ersetzen und die Fenster zu isolieren“ ist eine Feststellung, die ich so nicht allein stehen lasse. In meinem Bekanntenkreis gibt es diverse Liegenschaftenbesitzer, die ein einfaches, altes, aber geräumiges Haus bewohnen. Sie haben sich durch lebenslanges Sparen und durch Verzicht auf Wunschbedarf diesen Besitz erhalten. Jetzt leben sie von einer Rente, die trotz steigenden Kosten seit Jahren unverändert ist. Grössere Investitionen können sie nicht finanzieren. Sie sind eben keine „Eigentümer älterer Villen“ und sehen daher mit Angst und Sorge auf das, was auf sie zukommt.

Man darf diese Leute nicht vergessen und dem Stimmvolk nicht Sand in die Augen streuen. Wer behauptet, dass nur die Eigentümer älterer Villen tief ins Portemonnaie greifen müssen, macht aber genau das. Dabei wäre es klüger, wenn man den weniger Begüterten Hausbesitzern mit Geld aus dem Handel mit Emissionszertifikaten helfen würde. Wenn die Schweiz schon als Winzling unter den Weltklimabeeinflussern Überdurchschnittliches leisten will, dann sollte sie den Erlös aus dem Zertifikathandel auch im Binnenmarkt investieren. Es gibt hierzulande nämlich Menschen, die gerne mehr für den Klimaschutz täten, wenn sie die Mittel dafür hätten. Deshalb sollte man die Politik für innovative Modelle begeistern. Was ich damit meine, kann ich an folgendem Beispiel erläutern:

Wer für den Betrieb einer Anlage oder für das Heizen seines alten Hauses unnötig viel Energie verbraucht, weil er sich Sanierungsmassnahmen nicht leisten kann, dem finanziert man mit einem zinslosen Darlehen das Notwendige. Was nach der Sanierung alljährlich eingespart werden kann, wird bis zur restlosen Tilgung des Darlehens zur Amortisation verwendet. Weil das eingesetzte Geld aus dem Zertifikathandel stammt, wird die Staatskasse nicht belastet, und das einmal zurückbezahlte Geld kann daher erneut zugunsten des Klimaschutzes eingesetzt werden.

Ich plädiere dafür, die derzeitige Hysterie durch Pragmatismus zu ersetzen. Was machbar und zumutbar ist, soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Das muss aber wirklich sozialverträglich geschehen.


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