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SALUZER Der BLOG

Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

SALUZER Der BLOG Final

 

Kandiszucker und Salz

Vor kurzem bin ich im Gespräch mit Freunden in Selbstlob verfallen, weil ich angeblich noch nie gestohlen und nur selten gelogen habe. Nachträglich hat sich jedoch eine Behauptung als Unwahrheit erwiesen.

Dass ich äusserst selten lüge, stimmt. Auf einen besonders guten Charakter kann man das jedoch nicht zurückführen. Ich profitiere einfach von einer Technik, die ich im frühen Kindesalter erlernt und in den zahlreichen Jahrzehnten meines bisherigen Lebens perfektioniert habe. Die Technik ist genial: Man formuliert im Bedarfsfall einfach alles missverständlich. Dann sagt man nichts Unwahres und erreicht ohne Lüge das rhetorische Ziel. Für allfällige Folgen ist man dann auch nicht verantwortlich. In der Politik gilt mein System längst als Goldstandard.

Immer hilft mir das missverständliche Formulieren allerdings nicht. Wenn ich an meine letzte Selbstbeweihräucherung zurückdenke, muss ich nämlich unumwunden eingestehen, dass ich entgegen meiner Aussage tatsächlich schon einmal gestohlen habe und dafür auch recht schwer bestraft worden bin.

Meine Straftat hat sich vor langer Zeit in einer ca 1950 entstandenen Küche ereignet, also in einem spartanisch eingerichteten Raum, den ich mir noch immer bildlich vorstellen kann. Den Steingut-Schüttstein mit seiner gewellten Abtropffläche, auf der das Geschirr mit einem auch sonst vielseitig verwendbaren Kantholz gesichert worden ist, halte ich rückblickend für das wichtigste Küchenelement. Den auf vier dünnen Beinen freistehenden Thermaherd kann ich aber auch nicht vergessen. Er hat sich bei mir ziemlich nachhaltig „eingeprägt“, weil er eine Zeitlang mein Lieblingsturngerät gewesen ist, bis ich bei meinen vermeintlichen Kunststücken einmal den ganzen Arm auf eine heisse Herdplatte gelegt habe.

Repräsentativ ist unsere kühlschranklose Küche nicht gewesen. Wir mussten uns mit einem kleinen Schrank für die „Kolonialwaren“ und einem einfachen Holztisch bescheiden. Etwas ist uns aber fast luxuriös erschienen. Es gab nämlich in unserer Küche noch ein eingebautes Buffet mit seltsam geformten Glasschubladen bzw. Glasschütten. Das ist in Kinderaugen eine wahre Schatzkammer gewesen. Mehl, Salz, Zucker und noch viel mehr hat in den Buffetschubladen Platz gefunden. In so einer Schublade bin ich eines Tages auf einen funkelnden Schatz gestossen. Man hat ihn Kandiszucker genannt. Seinem Anblick konnte ich nicht lange widerstehen. Deshalb bin ich zum Dieb geworden.

 Triologie

 

Leider ist mein Raubzug auf Mutters Schätze nicht unentdeckt geblieben. Ich bin in flagranti ertappt und unverzüglich brutal bestraft worden. Die Wohltat der Omertà sollte ich mir durch das Verzehren eines grösseren Salzklumpens erkaufen. Dem jugendlichen Dümmlig, der mir die Strafe als Preis für sein Stillschweigen auferlegt hat, und auch mir selbst sind die möglichen Folgen der von mir eingegangenen Verpflichtung nicht bewusst gewesen. Jedenfalls habe ich mich mit einem Suppenlöffel hinter Mutters Salzschale gemacht. Wenn ich mich daran erinnere, wird mir immer noch schlecht. Schlecht ist mir auch damals geworden. Das endlose Erbrechen hat mich aber vor grösseren Schäden bewahrt.

Salzlos lebe ich übrigens heute noch nicht. Ich weiss dafür, was es bedeutet, wenn einem die Suppe (bzw. der Kandiszucker) versalzt wird.

Einfach bezeichnend

Dass man bestimmte Menschenbezeichnungen nicht verwenden sollte, nicht einmal beim obersten Chef einer sich lustigerweise immer noch schweizerisch nennenden Grossbank, weiss ich. Trotzdem geht mir manchmal ein als Unwort deklarierter Begriff über die Lippen. Wenn ich nach einem zylinderförmigen, mit süssem Schaum gefüllten Schokoladegebilde greife und von meiner Frau gefragt werde, was ich gerade wieder nasche, kommt sicher das Falsche über meine weissbraunen Lippen. Böse oder gar abwertend ist das aber nie gemeint. Manchmal würde ich mir das Unwort allerdings gerne erlauben. Ich könnte dann einfach sagen, wie die kleinen, mit dem Kopf wippenden Figuren hiessen, die meistens in kirchlichen Gebäuden oder Spitälern auf die Fütterung mit einer kleinen Münze warteten. Jetzt muss ich die Lesenden einfach bitten, das Satzfragment „…zagt im Regen nie“ von rechts nach links zu lesen. Wenn sie das Hauptwort, das sie dabei finden, noch mit einem „li“ verniedlichen, wissen sie endlich, wie man seinerzeit die herzigen Opferstöcke in Menschengestalt genannt hat.

Ich bin in meiner Kinder- und Jugendzeit als Churer Hundebub und als N????kind bezeichnet worden. Beides hat mich nicht gestört und sogar stolz gemacht. Zum Titel Hundebub hat mir der „Hündeli-Meier“ verholfen, da ich bei ihm jeweils eine ganze Hundeschar zum Spazieren abholen durfte. Dafür haben mich viele Kinder beneidet. Das N????kind bin ich deshalb gewesen, weil ich im Sommer und Winter, als Gesunder und Kranker, immer einen sehr, sehr dunklen Teint gehabt habe. Auch das ist rückblickend betrachtet, bis auf eine einzige Ausnahme, erfreulich gewesen. Die Ausnahme hätte ich mir allerdings gerne erspart. Bei einem Spitaleintritt musste ich mich nämlich einer Therapie mit einer Scheuerbürste unterziehen, weil eine eifrige Schwester (So durfte man die gütigen Frauen damals noch nennen.) meine viel zu dunkle Haut möglichst weiss bekommen wollte. Von diesem Vorhaben liess sich die Pflichtbewusste auch durch meine Mutter nicht abbringen. Eingestellt worden sind die seltsamen Heilungsversuche erst, als die aufgescheuerten Hautstellen deutlich sichtbar waren und einen Morbus Rothaut erkennen liessen. Die innehaltende Bürstenschwingerin soll damals vor Schreck ganz gelb geworden sein.

Mit den N????-Wort habe ich trotzdem die meisten Erfahrungen. Ich kann jedoch mit Fug und Recht behaupten, dass ich es zwar häufig und gerne, jedoch sicher nie mit einem strafrechtlich relevanten Beigeschmack verwenden würde.

Meine lederfarbene Jugendhaut ist längst einem ziemlich fahlen Anstrich gewichen. Stolz auf Sonnenbräune kann ich mir nicht mehr leisten, denn man spricht mich jetzt immer wieder auf meine jetzt meist bleiche Gesichtsfarbe an. Das muss ich wohl akzeptieren. Allerdings frage ich mich, ob man mich fortan Weisser nennen darf. Wenn das so ist, soll man den Begriff in meinem Fall wenigstens korrekt, also ohne das zweite „s“, schreiben. Noch besser wäre es jedoch, wenn jeder von uns einfach Mensch genannt würde. Man müsste dieses Titels allerdings auch würdig sein.

Moralischer Diplomatenstatus

Wer für eine gute Sache kämpft, ortet sich auf der richtigen Seite und neigt vielleicht dazu, eine Art moralischen Diplomatenstatus für sich in Anspruch zu nehmen. Die Meinung, im Sinne eines höheren Ziels sei auch ein Rechtsbruch gutzuheissen, ist ein stetig wiederkehrender Trugschluss. Als wäre alles erlaubt, nur weil man in hehrer Absicht handelt, überschreitet man Grenzen und rote Linien und entfernt sich dabei unmerklich vom angestrebten Ziel. Idealerweise wäre der Weg ein Teil des Ziels, doch – wie könnte es anders sein – die Wirklichkeit sieht anders aus. Wer den Fokus auf einen einzigen Punkt konzentriert, verliert den Horizont und damit den gut gemeinten Kampf.


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