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SALUZER Der BLOG

Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

 

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Die kleine Schwester der Freiheit

Als fehlte es uns an echten Problemen, pflegen wir eine Korrektheitskultur, die uns zunehmend einschränkt und Reden und Handeln zur grösseren Herausforderung macht. Dass wir uns selber Grenzen setzen, ist indessen ein gutes Zeichen, zeugt es doch von Freiheit, von der Einsicht, dass diese nicht selbstverständlich ist und dass wir ihr Sorge tragen müssen. Freiwilligkeit ist die kleine Schwester der Freiheit. Sie gilt es zu pflegen und vor zu hoher Belastung zu schützen wie die Freiheit selbst. Weil wir uns im Eifer aber überschätzen, auch weil wir uns gerne in gutem Licht präsentieren, strapazieren wir den eigenen Goodwill mitunter bis zur bitteren Neige. Doch die kleine Schwester leidet, wenn wir sie überfordern, und genau an diesem Punkt sind wir jetzt angekommen. Die Freiwilligkeit hat sich zum Verbot „gemausert“ und die Einsicht hat sich aus dem Staub gemacht. Widerstand regt sich, wo eben noch Einigkeit geherrscht hat. Beste Absichten verfehlen ihr Ziel, wenn das Mass nicht stimmt.

Mehr als ein Slogan

In Anlehnung an einen seit langem kursierenden Slogan, der besagt, dass wirtschaftlicher Aufschwung im Kopf beginnt, halte ich hiermit fest, dass auch ein Umschwung zugunsten des Lebens im Kopf beginnt. Ob meine Behauptung stimmt oder ob sich die Kraft der Gedanken im unergründlichen Raum zwischen menschlichen Hirnzellen und zwischenmenschlichen Widerständen verliert, bleibt offen. Klar ist nur, dass wir den Schwung, den es jetzt braucht, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, nicht auf der Strasse und auch nicht im Wasserkopf einer Ideologie finden. Er muss den einzelnen Köpfen und deren Überzeugung entspringen, dass das Leben mehr kostet, als wir bis anhin zu zahlen bereit waren. Nicht die kollektive Euphorie, sondern die Verzichtbereitschaft eines jeden zählt und kann uns vielleicht retten.

Zwischen Hysterie und Vernunft

Dass man das Klima schützen und der Umwelt Sorge tragen muss, kann niemand bestreiten. Im Moment bewegen wir uns aber alle auf einem schmalen Pfad zwischen Hysterie und Vernunft, zwischen dem Handeln und Unterlassen und dem Hin- oder Wegschauen.

Mir fällt auf, dass viele Leute das hohe Lied der Elektromobilität singen und überhaupt nicht daran denken, mit welchem Ressourcenverschleiss diese verbunden ist. Mindestens in der Herstellung sind Elektroautos kaum umweltfreundlicher als herkömmliche Fahrzeuge. Wenn man noch die verschleissanfälligen Batterien in Betracht zieht, wird die Bilanz noch ungünstiger. Ganz eine paradoxe Situation entsteht dort, wo bisherige Muskelkraft durch Elektrizität ersetzt wird. Wenn einstmals begeisterte Pedaleure jetzt dank elektrischer Unterstützung grössere Touren machen oder höher gelegene Ziele anvisieren, nützt das der Umwelt sicher nichts. Umweltfreundlich ist nur das konventionelle, akkulose Velo.

Die Mobilität ist an sich ein Problem. Sie sollte daher auf das absolut Notwendige reduziert werden, damit die vorhandene Infrastruktur genügt und nicht mehr grenzenlos erweitert wird. Die kommenden Generationen werden auch so noch tief in die Tasche greifen müssen, weil Vorhandenes Unterhaltskosten verursacht oder marode wird. Das Problem wird dort umso grösser, wo man nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ immer mehr Bauwerke unter dem Boden verschwinden lässt. Vordergründig gute Lösungen haben sich schon oft als Bumerang erwiesen.

Mir macht die kritiklose Begeisterung für Elektrofahrzeuge wirklich grosse Sorgen. Sie bewirkt eine unangebrachte Euphorie und bremst vielleicht sogar die Forschung aus. Dabei gäbe es, insbesondere in der Antriebstechnik, noch viel Erforschenswertes. Die geringe Anzahl der weltweit vorhandenen Brennstoffzellen-Fahrzeuge scheint mindestens zu belegen, dass nicht alle Forschungsgebiete mit gleichem Nachdruck beackert werden.

Wenn freitags wieder Schüler streiken - sofern sie das tatsächlich noch immer tun wollen - werden sie damit nichts mehr erreichen. Sensibilisiert sind längst alle. Daher muss niemand mehr Aufmerksamkeit erregen. Jetzt soll jeder handeln, der vorher „nur“ gestreikt hat. Punktuellen Protest braucht es jedoch weiterhin, z.B. dann wenn jemand zum reinen Vergnügen Luftballone und/oder Feuerwerkskörper steigen lässt, obwohl man weiss, dass sich dann kaum verrottender Abfall grossflächig verteilt. Einen Aufschrei darf man auch hören, wenn irgendwo wieder ein Fussballfeld mit einem schädlichen Kunststoffrasen überzogen wird.

Saluz Edelkastanie

Die Aufzählung liesse sich fortsetzen, aber der Kunststoffrasen bringt mich zu einem anderen Thema, das jetzt in aller Leute Munde ist und sogar zu einer seltsamen Gesetzesänderung führen soll. Dass man gewissen Neophyten den Kampf ansagt, verstehe ich durchaus. Die damit verbundene Hysterie halte ich jedoch für unerträglich. Es ist seit Urzeiten so und wird bis in alle Zeiten so sein: Wo sich das Klima verändert, passt sich die Tier- und Pflanzenwelt an. Das ist natürlich und nicht zu verhindern. Wir müssen daher nur wirklich schädliche Eindringlinge bekämpfen und können die natürliche Veränderung nicht verhindern. Manchmal genügt es zudem schon, wenn man eine ungezügelte Ausbreitung verhindert. Der totale Kahlschlag ist dann nicht nötig. Das möchte ich an einem Beispiel erläutern.

In unserem Garten wachsen Buchen, Birken, Edelkastanien, Nussbäume, Feigen- und Haselstauden und vieles mehr. In fast allen Fällen würde ein Förster von „Naturverjüngungen“ sprechen, weil uns die Natur und nicht irgend ein Gartencenter alles frei Haus geliefert hat. Vögel, Schmetterlinge, Blindschleichen, Igel und viele andere Lebewesen fühlen sich bei uns wohl, obwohl sie den Garten auch mit einigen der jetzt verteufelten Kirschlorbeerbäumen teilen müssen. Die im Volksmund als „Metzger-Chrut“ bezeichneten Pflanzen halten wir konsequent unter der Schere, aber wir achten darauf, dass wir nie ein Vogelnest beschädigen. Wir entfernen jeweils alle Blüten an diesen Pflanzen und ganz sicher auch alle sich trotzdem heranbildenden Beeren. Daher kann kein beerenfressender Vogel Saatgut auf andere Grundstücke tragen. Der vermeintlich gefährliche Kirschlorbeerbaum darf darum seinen Platz in unserem wirklich vielfältigen, naturnahen Garten behalten. Für die vom Bundesrat angedachte Gesetzesänderung habe ich deswegen nicht mehr als ein verächtliches Lächeln übrig.

Dass auf öffentlichem oder nicht kontrolliertem Grund keine Kirschlorbeerpflanzen geduldet werden, ist trotzdem richtig. Ich kann ja nicht (wie bis anhin oft) im Geviert einer nahen Strassenkeuzung alljährlich alle Blüten und Beeren entfernen. Mit zunehmendem Alter und entsprechend nachlassender Gelenkigkeit setzt man sich eben nicht mehr so gerne in gebückter Stellung den Gefahren des Strassenverkehrs aus.

Es sind viele Gedanken, die ich Ihnen hier zur Kenntnis bringe. Sie werden sicher eigene Überlegungen anstellen. Wir könnten trotzdem den gleichen Weg gehen - auf der Seite der Vernunft und weitab jeglicher Hysterie.


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