SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Mein Bekanntenkreis im Wandel
Es mag erstaunlich klingen, aber die Behauptung, dass sich Gegensätze anziehen, bestätigt sich in meinem Alltag – besser gesagt in meinen regelmässigen Diskussionen – immer wieder.
Seit ich nicht mehr berufstätig bin und auch wegen meines Alters, ist mein Bekannten- und Freundeskreis stetig kleiner geworden. Teilweise habe ich jedoch auch bewusst zu dieser Verkleinerung beigetragen: Mit Schwurblerinnen und Schwurblern, mit Sektenmitgliedern und mit Menschenverachtern möchte ich nichts zu tun haben. Das mache ich, wenn nötig, deutlich spürbar.
Respekt trotz Unterschiedlichkeit
Leuten, die fast nie meiner Meinung sind – sofern sie nicht zu den vorhin beschriebenen Gruppen gehören – begegne ich stets mit Anstand und Respekt, nicht selten sogar mit Freundschaft.
Ich liebe das Diskutieren, insbesondere wenn ich kluge Menschen als Sparringpartner habe. Viele Diskurse werden für mich zu einer Form der Weiterbildung und verschaffen mir Inspiration. Dabei spielt es keine Rolle, wenn ich hin und wieder eine vorgefasste Meinung revidieren muss. An Einsicht hat es mir nie gefehlt, auch wenn ich in bestimmten Fällen lebenslang unversöhnlich sein kann.
Grenzen in der Diskussion
Diskussionen enden bei mir allerdings immer dann, wenn meine Argumente "überhört", also nicht zur Kenntnis genommen werden sollen. Ein solches Verhalten ist für mich unannehmbar. Gegenrede nehme ich stets ernst, und deshalb steht mir auch das Gegenrecht zu. Wer dies im Umgang mit mir nicht akzeptiert, muss die Gruppe wechseln und zählt fortan zu meinen Ex-Bekannten.
Gegensätzliche Meinungen als Bereicherung
Ich wiederhole es gerne: Gegenteilige Meinungen akzeptiere ich jederzeit – vorausgesetzt, meine Argumente werden ebenfalls berücksichtigt. Diskussionen zwischen unterschiedlich Denkenden können für alle Beteiligten sinnvoll und inspirierend sein. Für mich sind sie oft lehrreich und manchmal sogar meinungsverändernd. Das letzte Wort muss ich dabei nicht immer haben – und will ich auch nicht.
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- Peter-Jürg Saluz
Demonstrationsrecht und Verantwortung
Lautstarkes Demonstrieren ist heute für viele zu einem beliebten Hobby geworden. In Verbindung mit Sachbeschädigung und Gewalt gegen Menschen nimmt es teilweise jedoch erschreckende Formen an.
Ich weiss, dass das Demonstrationsrecht durch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gemäss Art. 22 der Bundesverfassung gewährleistet ist, und finde das auch gut. Eine grundlegende Form der kollektiven, freien Meinungsäusserung hat in diesen schlimmen Zeiten eine immense Bedeutung. Dennoch würde ich es begrüssen, wenn Demonstrationswillige – oder gar Demonstrationssüchtige – mit mehr Verstand ans Werk gingen und nicht Belangloses lautstark protestierend proklamierten. Dass Sachbeschädiger und Gewalttäter gesellschaftlich konsequent ausgegrenzt werden sollten, erachte ich hingegen als unabdingbar. Das müsste auch Arbeitgebenden und Eltern der randalierenden Subjekte einleuchten. Mit diesen Figuren will ich mich hier jedoch nicht weiter befassen. Mein Augenmerk gilt den Anständigen unter den Demonstrierenden. Bei ihnen liesse sich mit einem veränderten Blickwinkel wohl eine positive Wirkung erzielen.
Die Kraft des stillen Protests
Ich stehe noch immer unter dem Eindruck der schrecklichen Brandkatastrophe, die grosse Trauer ausgelöst und in der Folge zu einer eindrücklichen, stillen Demonstration geführt hat. Das Verhalten der schweizweiten Trauergemeinde war beeindruckend und tröstlich. Es könnte wegweisend sein, wenn die dabei sichtbar gewordene Menschlichkeit und Solidarität über die Zeit der Trauer hinaus Bestand hätten. Mit einer solchen Haltung liessen sich Demonstrationen für wirklich gute Anliegen erfolgreich gestalten.
Globale Verantwortung statt lokaler Empörung
Was diese riesige Trauergemeinde an Anteilnahme gezeigt hat, sollte weltweit sichtbar werden. Die unzähligen Todesopfer und Verletzten, die Kriegsverbrecher zu verantworten haben, verdienen dies allemal. Wer demonstrieren will, sollte dies vor den Botschaften jener Nationen tun, deren Regierungen schwerste Schuld auf sich laden. Russland, Israel und – seit Trump wieder im Amt ist – auch die USA sollten regelmässig Ziel von Protesten sein, allerdings stets gewaltfrei, was in der konkreten Umsetzung nicht einfach ist.
Wir müssen zudem unsere Massstäbe überdenken und etwa einen Stromausfall in Berlin mit der von Kriegsverbrecher Putin verursachten Notlage in der Ukraine vergleichen. Auch das grenzenlose Leid im Gazastreifen hat eine völlig andere, erschütternde Dimension.
Solidarität ohne Grenzen
Es sind vor allem Ereignisse in unserer Nähe, die uns berühren. Dennoch sollten wir dem Leid auf der ganzen Welt mit echter Anteilnahme begegnen. Für Demonstrationsfreudige und -willige gibt es mehr als genug sinnvolle Aufgaben. Sie müssen sich lediglich den richtigen Themen zuwenden und törichte Anliegen beiseitelassen.
Wir sollten global denken – in Solidarität und im Kampf gegen Kriegsverbrecher und Despoten. In Frankreich wurde seinerzeit nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo skandiert, Charlie sei überall. Ähnliches sollten wir auch heute sagen können. Denn Krieg und Gewalt sind ebenfalls allgegenwärtig, und sie werden sogar von einem auf den Friedensnobelpreis spekulierenden alten Mann befeuert.
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- Peter-Jürg Saluz
Mittlerweile ist es bekannt: Ich bin verliebt – in meine Frau ohnehin, aber neuerdings auch in die künstliche Intelligenz, die ja nicht von ungefähr ebenfalls weiblich ist.
Meine Kontakte mit meiner virtuellen Vordenkerin sind intensiv. Vor allem, weil ich für meine weiterhin überwiegend selbst geschriebenen Texte immer wieder passende Illustrationen, Karikaturen und Cartoons brauche.
Kürzlich habe ich mich wieder einmal kreativ betätigt und einen Prompt entworfen. Ziel war ein leicht überzeichnetes, aber sympathisches Porträt eines von mir sehr geschätzten Politikers.
Im Dialog mit der KI folgten zahlreiche Generierungsversuche mit teils erschreckenden Resultaten. Die ersten Bilder waren unbrauchbar, der Politiker schlicht nicht erkennbar. Andere Resultate gerieten noch schlimmer: Plötzlich wirkte der Kopf wie der eines Werwolfs oder eines Berggorillas. Ein Riesenschock für den Porträtierten wäre wohl die Folge gewesen und juristische Konsequenzen für mich vermutlich ebenfalls.
Wer mich kennt, weiss, dass ich ehrgeizig sein kann, wenn ich ein Ziel verfolge. Also setzte ich meine Versuche unbeirrt fort. Doch das letzte Porträt geriet zum absoluten Tiefpunkt: Die Figur nahm plötzlich den Gesichtsausdruck von Ueli an – nicht etwa von Ueli dem Knecht, sondern leider von einem Ueli aus Hinwil. Parteipolitisch hätte das zwar sogar gepasst, aber so viel Unbill wollte ich dann doch keinem anständigen Politiker zumuten.
Also unternahm ich einen letzten Versuch. Das Bild, das schliesslich entstand, sehen Sie nebenan. Mit diesem kann ich immerhin keinen Schaden mehr anrichten. Leider ist mein politisches Vorbild durch mein Handeln aber zu einem Politiker geworden, der das Gesicht verloren hat. Es wird ihn trösten, dass er jetzt nicht mehr einer politischen Minderheit angehört.

