SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Ratgeber ohne Supervisionsanspruch
Wenn nicht religiös Bekennende eine Offenbarungsphase durchlaufen, wird es manchmal schwierig. Das ist oft der Fall, wenn ich ihnen mein
Ohr leihen darf. Ich habe dann – was ich ausnahmslos respektiere – Vertraulichkeit zu wahren. Deshalb kann ich weder von Verwandten noch von Freunden Supervision beanspruchen. Hilflos bin ich deswegen jedoch nicht.
Rollentausch und Schauspielerei
Sobald ich Vertrauliches, nicht selten Beklemmendes erfahre, werde ich jeweils zum Schauspieler. Ich schildere alles so, als hätte ich es selbst erlebt, als wäre ich selbst betroffen. Das funktioniert bestens, weil es vertrauenswürdig wirkt. Umgekehrt erscheint alles unglaubwürdig. Sie kennen das sicher: Jemand holt bei Ihnen einen Rat ein, der angeblich “einen Freund oder Bekannten” betrifft – ganz sicher aber nicht den Ratsuchenden selbst. Spüren Sie, wie in solchen Fällen Zweifel und Skepsis aufkommen?
Glaubwürdigkeit und Zweifel
Mein System hat übrigens sogar für mich Vorteile. Wer mein Prinzip kennt, weiss nämlich nie, ob ich in eine Stellvertreterrolle geschlüpft oder tatsächlich selbst betroffen bin. Das ist perfekt.
Diese Unschärfe schützt mich – und sie schafft Freiheit. Gleichzeitig regt sie dazu an, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen: Wie glaubwürdig ist das, was erzählt wird, und wo beginnt die Skepsis?
Berührungsdefizite im Alltag
Unter diesen Voraussetzungen kann ich nämlich auch über Berührungsdefizite sprechen. Sie betreffen nicht nur Alleinstehende und damit Einsame. Sie kommen – das vernehme ich vielfach – auch in Paarbeziehungen vor und sind für die Betroffenen ein schweres Leiden.
Die seelische Dreifaltigkeit
Sobald die seelische Dreifaltigkeit in Gefahr gerät, ist nichts mehr im Lot. Fragen Sie mich jetzt aber nicht, was ich unter diesem Begriff verstehe. Versuchen Sie, ihn selbst zu ergründen. Wenn Sie nichts vermissen oder den Begriff für sich befriedigend erklären können, ist alles in Ordnung. Sie sind dann nämlich nicht traurig, schon gar nicht einsam, und Ihr Hunger nach Berührung ist gestillt. Ohne die Kriege und Katastrophen auf der Welt wären Sie also ein absolut glücklicher Mensch.
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- Peter-Jürg Saluz
Als glücklich mit einer Frau Verheirateter habe ich auch einen anhänglichen männlichen Begleiter. Er heisst Tremor und macht mich nicht gerührt, sondern geschüttelt. Mit einem Schütteltremor wird vieles fast unerträglich. Das zeigt sich beim Anstossen mit einem vollen Glas ebenso wie beim Löffeln einer guten Suppe. Handschriftliches gibt es von mir praktisch nicht mehr. Selbst authentisches Unterschreiben wird immer schwieriger, in kleinen Formularen oder auf einem Tablet sogar unmöglich.
Heute ist mein Tremor unnötigerweise noch amtlich gedopt worden. Dafür hat das Steueramt des Kantons Zürich gesorgt, indem es ein bewährtes Produkt abgeschafft hat, das für mich und für viele Menschen in meiner Situation fast unentbehrlich geworden ist.
Die Programm-CD, mit der man auf dem heimischen PC netzunabhängig die Steuererklärungsformulare ausfüllen und ausdrucken konnte, ist nicht mehr erhältlich. Wer aus welchen Gründen auch immer nichts mit der Online-Version anfangen kann, wird damit ins administrative Mittelalter zurückversetzt. Er oder sie muss die Steuererklärung handschriftlich und unter Verwendung eines Taschenrechners ausfüllen oder einen teuren Dienstleister beiziehen. Dass so zusammengezimmerte Steuererklärungen Mehraufwand auch bei ihnen verursachen, wird von den IT-Pionieren des kantonalen Steueramtes offenbar in Kauf genommen. Man verfügt ja über genügend personelle Kapazitäten …
Dass mein Tremor gedopt und entsprechend verstärkt worden ist, hat mit Vorstehendem zu tun. Ich zittere nun nämlich nicht nur krankheitsbedingt, sondern dank dem kantonalen Steueramt jetzt noch erheblich mehr. Es ist eine unglaubliche Wut über die behördliche Arroganz, die mich nun zittern lässt.
Da ich Ernst Stocker, den für das Steueramt zuständigen Regierungsrat, aufgrund persönlicher Erfahrungen als integre, zuverlässige und empathische Person kenne, hoffe ich, dass er von dieser massiven Dienstleistungsverschlechterung seines Steueramtes bislang nichts mitbekommen hat und nun intervenieren wird. Andernfalls würde ich ihn gerne fragen: „Ist es Dir ernst, Ernst?“ – Ich hoffe es wirklich nicht.
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- Peter-Jürg Saluz
Worte, die Nähe schaffen
Das heutige Thema beschäftigt mich immer wieder. Nicht, weil mir die Ideen ausgegangen wären, sondern weil ich es für wichtig halte.
Wir sollten keinen Hehl daraus machen und uns einfach - gerne möglichst romantisch - erklären, wenn jemand bei uns Liebesgefühle weckt. Angst davor, dass unsere Empfindungen in einer Einbahnstrasse enden könnten, dürfen wir allerdings nicht haben. Im schlimmsten Fall sehen wir nach unserer Offenbarung wenigstens klar, und ausserdem ist das Formulieren einer Liebeserklärung in jedem Fall ein lustvolles, kreatives Ereignis.
Ich habe so etwas nicht selten als beziehungsfördernder Ghostwriter in strenger Geheimmission getan. In längst zurückliegender Vergangenheit war das für mich allerdings nicht ganz ungefährlich, weil ich mich durch das Beschreiben von Gefühlen und Empfindungen nicht selten fast selbst in die designierte Empfängerin eines von mir in Ghostwriter-Funktion verfassten Liebesbriefes hineingeträumt habe. Als seit vielen Jahren verheirateter Mann bin ich dieser Gefahr aber nicht mehr ausgesetzt. Liebesbrief-Aufträge erfülle ich dank meines Verheiratetseins mittlerweile sogar mit links. Ich schreibe einfach so, als wäre jede Zeile für meine Frau bestimmt. Dann gerate ich unverzüglich ins Träumen und Schwärmen, was alles ganz einfach macht.
Nettigkeiten mit Wirkung
In meinen Gedanken spielt auch das Wort «Dankeschön» eine grosse Rolle. Man hört es immer gerne, aber leider auch viel zu selten. Es gibt immer mehr Menschen, denen dieses Wort kaum über die Lippen kommt, und da viele von ihnen Kinder haben, setzt sich dieses undankbare Verhalten über Generationen fort. Wenn ich etwas Gutes tue oder jemandem ein Geschenk mache, geschieht das nicht des Dankes wegen. Trotzdem freue ich mich sehr, wenn mir ein Dankeschön anzeigt, dass etwas gut angekommen ist. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen. An den von meiner Mutter oft gehörten Satz «Danke sagen kostet nichts» möchte ich an dieser Stelle aber doch noch erinnern.
Nettigkeiten anderer Art liegen mir ebenfalls am Herzen: Anerkennung und Stolz sind hier die Schlüsselworte. Wenn jemand – auch wenn es ein gut bezahlter Handwerker ist – etwas perfekt gemacht hat, verdient er Anerkennung. Diese lässt sich übrigens in Verbindung mit einem herzlichen Dankeschön besonders gut ausdrücken.
Um die Aufzählung zu vervollständigen, soll nun auch noch der Stolz behandelt werden. Ich meine dabei allerdings nicht jenen, den wir in Form von Eigenlob empfinden. Mir geht es um den Stolz, den wir unseren Kindern entgegenbringen, und um den Stolz, den wir anderen Menschen zuteilwerden lassen, wenn sie ihn verdienen. Auch dabei kann man sich die Zunge nicht abbrechen.
Wenn wir uns dankbar, liebevoll und anerkennend äussern, machen wir andere Menschen und uns selbst glücklich. Ein entsprechendes Verhalten lohnt sich also doppelt. Diese Erkenntnis erinnert mich an eine längst vergessene Fernsehsendung. Sie hiess, ins Hochdeutsche adaptiert, «Doppelt oder nichts». – Jetzt haben Sie die Wahl …
