SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz

Wann ist Ihr letzter Wunsch in Erfüllung gegangen? Wissen Sie überhaupt noch, wann Sie sich zum letzten Mal etwas gewünscht haben?
Wünschen und Hoffen gehören zusammen. Es macht keinen Sinn, sich etwas zu wünschen, wenn man nicht mindestens die Hoffnung hegt, dass der Wunsch erfüllt wird. Wer als Wünschender sogar glauben kann, wird also nie wunschlos glücklich sein. Das ist vielleicht eine schwer verständliche Aussage, genauso wie meine Behauptung, dass ein „Nicht-mehr-Wünschender“ nie glücklich sein kann. Denn wer aufhört zu wünschen, gibt die Hoffnung auf und glaubt ganz bestimmt nichts mehr.
Die Glücklichen sind längst zu einer raren Spezies geworden, eigentlich sogar vom Aussterben bedroht. Davor könnte man sie retten. Sogar ihre Anzahl liesse sich nahezu unendlich vermehren, wenn man das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen würde. Dazu müsste man die schädlichen Neophyten in der Glücksbiosphäre der Menschheit ausrotten und durch Hoffnungsträger ersetzen – durch Menschen also, die noch wünschen können, hoffen wollen und friedfertig und mit guten Taten zur Erfüllung beitragen.
Während ich diese Gedanken zu Papier bringe, merke ich plötzlich, dass auch ich schon wieder mit dem Wünschen beginne. Weil mir das Vertrauen in die Zukunft jedoch fehlt, kann ich allerdings nie wunschlos glücklich sein. Vielleicht liegt genau darin das Paradox unseres Daseins: Dass manche von uns das Wünschen lebendig erhält, während in den Augen der Anderen das Wünschen keinen Sinn mehr macht.
Trotz alledem wünsche ich jetzt doch noch etwas für Sie: Ihnen soll die Freude am Wünschen und das Glauben an die Erfüllung nie ausgehen. Möge Ihnen beides erhalten bleiben – Kraft und Zuversicht spendend.
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- Peter-Jürg Saluz
Eigentlich ist es schade, dass Donald Trump nicht in der Schweiz lebt. Das meine ich nicht deshalb, weil ich Freude daran hätte, die Schweizer Demokratie zu zerstören. Ich denke vielmehr an eine Option, die wir hierzulande hätten, die in Amerika aber offenbar nicht besteht.
Ein Mann, der «eine ganze Zivilisation untergehen» lassen will, macht sich definitiv zur Persona non grata. Wenn er das wirklich so gesagt hat, woran ich kaum zweifle, müsste
ihm fürsorgerisch die Freiheit entzogen werden. Das ist in der Schweiz sogar bei akuter Selbstgefährdung möglich. Sich selbst wird er natürlich nichts antun, der weltweiten Allgemeinheit aber schon.
Putin und Trump gleichen sich auf verschiedene Art. Beide sind skrupellose Egoisten und doch nicht gleich. So schrecklich es klingt: Putin ist berechenbar. Von ihm weiss man, dass tägliche Kriegsverbrechen an der Tagesordnung sind. Bei Trump ist die Unberechenbarkeit das Hauptproblem. Er droht ultimativ mit dem Schlimmsten, ist anschliessend für kurze Zeit wieder gemässigt und wird kurz darauf wieder zum hasserfüllten Vulkan. Vor ihm ist weltweit gar nichts sicher. Seine Claqueure in der CIA, in der von vernünftigen Offizieren «gesäuberten» Armee und in den Ministerien lassen seine ins Unermessliche anwachsende Machtgier förmlich explodieren.
Aus juristischen Gründen und aus Angst vor einer Prozessflut wird sich niemand objektiv zum Geisteszustand von Trump äussern. Gewisse Dinge sind trotzdem augenfällig. Wenn Donald Trump die altersbedingte Verwirrtheit seines Amtsvorgängers geisselt, täte ihm etwas Selbstkritik durchaus gut. Allerdings wird er diese nie aufbringen, weil er sich für den Grössten, Klügsten und wohl auch bald Reichsten hält. Wer sich die Mühe macht, eine der vielen ermüdenden Reden von Trump anzuhören, weiss schon nach wenigen Minuten, dass der sehr ältlich wirkende Mann in Wortspiralen gefangen ist. Was er vollbracht hat, ist alles toll, grossartig und unvergleichlich. Die Schuld an allem Missratenen wird immer noch Joe Biden zugewiesen, sogar dann, wenn das Malaise beweisbar von Donald Trump selbst ausgelöst worden ist.
Ich weiss, dass viele Menschen sehr leiden, wenn bei ihnen eine fortschreitende, unheilbare degenerative Erkrankung des Gehirns beginnt. Gewisse Menschen könnten darüber aber durchaus glücklich sein. Wer innerhalb von fünf Minuten Gesagtes oder gar Versprochenes vergisst, ist schliesslich unanfechtbar.
Es bleibt sicher wirkungslos, wenn man hier solche Überlegungen publiziert. Entsprechendes müsste in Amerika laut werden. Darauf wartet die Welt bisher aber vergeblich.
Der Mann, der angeblich so viele Kriege beendet hat, wird – solange er im Amt ist – immer ein Unruhestifter und Kriegstreiber bleiben. Das ist keine Behauptung von mir, sondern eine Aussage, die ich kürzlich gehört oder gelesen habe – wann und wo, weiss ich allerdings nicht mehr.
Da Donald Trump nach eigenen Aussagen ein gottesfürchtiger Zeitgenosse ist, weiss ich, woher Hilfe kommen müsste – vom obersten Chef persönlich, mindestens aber aus evangelikalen Kreisen. Ich bin übrigens nicht gottesfürchtig, denn etwas Nichtexistierendes kann mir keine Furcht einflössen. Dass ich selbst nicht an Gott glaube, ist leicht zu verstehen. Wenn es ihn gäbe, hätten nämlich alle Nöte der Menschheit ein Ende und Putin, Trump & Co. keine Zukunft.
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- Peter-Jürg Saluz
Angst ist schrecklich. Angst ist aber auch eine Bestätigung, nämlich dafür, dass man noch empfinden kann.
Angst lässt sich in vielen Fällen mit Wachsamkeit eindämmen. Bei gewissen Ängsten ist das allerdings nicht möglich. Im Krieg oder bei einer Krankheit funktioniert das jedenfalls nicht. Manchmal hilft dann nur noch Ablenkung, weil sich die Angst vorübergehend etwas verdrängen lässt. Leider wird die Furcht dann aber nie lange ausbleiben.
Angstfreie Momente kann uns passende Musik schenken, und etwas, das glückliche Menschen in der Regel miteinander machen, kann ebenfalls angstbefreiend sein. Beides ist fast immer erreichbar, sogar in ganz traurigen Situationen.
Wenn ich über den Umgang mit der Angst nachdenke, kommt mir stets in den Sinn, dass auch gute Gespräche angstmildernd sein können. Die entsprechende Wirkung tritt allerdings nur dann ein, wenn tabulose Offenheit im Spiel ist. Genau an diesem Punkt scheitern aber viele Menschen.
Wer seine Liebsten schützen und deshalb seine Sorgen vor ihnen verbergen will, wird mit ihnen nie ein offenes Gespräch führen. Zudem fehlt oft auch die Bereitschaft, persönlichen Kummer vor Aussenstehenden auszubreiten.
Ich kann entsprechendes Verhalten verstehen, weil es meinem eigenen entspricht. Deshalb will ich hier nicht mit einem Rat aufwarten. Psychologische oder gar psychiatrische Hilfe werde ich nie in Anspruch nehmen. Dazu bin ich, auch mit Blick auf die vielen Bekannten aus diesem Umfeld, viel zu skeptisch. Trotzdem anerkenne ich, dass der Gang in eine entsprechende Praxis oder sogar in die Kirche für manche Menschen sinnvoll sein kann. Man sollte schliesslich immer das tun, woran man glaubt.
Ich glaube übrigens auch – an das ständige Wiederkehren der Angst. Wladimir Putin, Donald Trump und Konsorten werden schliesslich alles tun, damit die Giftpflanze „Furcht“ üppig weiterwuchert.
