SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Der technische Fortschritt, die Globalisierung und der zunehmende Wunsch nach Mobilität haben der Menschheit zweifellos viele Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob wir in gewissen Bereichen nicht auch einen Rückschritt erleben – weniger sichtbar, aber mit tiefgreifenden Folgen für unser Zusammenleben.
Dass heute sprichwörtlich «Hinz und Kunz» die Welt bereisen, ist Ausdruck eines nie dagewesenen Wohlstands und einer hohen Bewegungsfreiheit. Reisen erweitert den Horizont und fördert den kulturellen Austausch. Dennoch hat diese Entwicklung auch Schattenseiten. Durch den intensiven internationalen Reiseverkehr können sich Krankheiten innerhalb kürzester Zeit über Kontinente hinweg ausbreiten. Ebenso gelangen gebietsfremde Pflanzen und Tiere – sogenannte Neophyten und Neozoen – in Regionen, in denen sie heimische Arten verdrängen und ökologische Gleichgewichte verändern. Die zunehmende Mobilität verlangt deshalb auch ein höheres Verantwortungsbewusstsein gegenüber Natur und Gesundheit.
Ein weiterer Wandel betrifft unseren Alltag. Früher gehörten der Milchmann, der Bäcker oder der Postbote zum sozialen Gefüge eines Quartiers. Kurze Begegnungen mit ihnen stärkten den Zusammenhalt und vermittelten das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Heute werden Dienstleistungen mehrheitlich anonym über Lieferdienste, Automaten oder Onlineplattformen abgewickelt. Die Kundenbetreuung wird – sofern man überhaupt noch von Betreuung sprechen kann – weitgehend automatisiert. Die Geschäftswelt wird durch Sprachcomputer und Chatbots entmenschlicht, was sowohl für das Personal als auch für die Kundschaft unerquicklich ist.
Die Entwicklung, die Zeit und Kosten sparen soll, hat ihren Preis. Immer mehr Menschen fühlen sich isoliert und einsam, obwohl sie digital permanent vernetzt sind. Persönliche Kontakte werden seltener und teilweise sogar verunmöglicht. Die gegenseitige Unterstützung nimmt ab, und das Gefühl der Zugehörigkeit schwindet. Besonders ältere Menschen leiden darunter, wenn der direkte menschliche Kontakt verschwindet. Der oft gehörte Begriff der Teilhabe gilt für sie längst nicht mehr.
Gleichzeitig scheint auch das Verantwortungsgefühl in manchen Bereichen nachzulassen. Wer nur noch mit anonymen Systemen kommuniziert, empfindet weniger Verpflichtung gegenüber seinen Mitmenschen. Verantwortung wird an Technik, Institutionen oder Algorithmen delegiert. Wo früher Eigeninitiative und gegenseitige Hilfe selbstverständlich waren, erwartet man heute häufig, dass «das System» eine Lösung findet.
Natürlich wäre es falsch, die Vergangenheit zu verklären oder den Fortschritt grundsätzlich abzulehnen. Moderne Medizin, Digitalisierung und weltweite Vernetzung haben unser Leben in vielerlei Hinsicht verbessert. Entscheidend ist jedoch, dass der technische Fortschritt den Menschen dient und nicht umgekehrt. Effizienz darf den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen, und globale Mobilität sollte stets mit Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft verbunden sein.
Vielleicht besteht der eigentliche Fortschritt deshalb nicht darin, immer schneller, weiter und automatisierter zu werden. Wirklicher Fortschritt zeigt sich vielmehr darin, Menschlichkeit, Verantwortung und Gemeinschaft zu bewahren. Nur wenn es gelingt, diese Werte mit den Errungenschaften der modernen Welt zu verbinden, bewegt sich die Menschheit tatsächlich vorwärts und nicht im Rückwärtsgang.
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- Peter-Jürg Saluz
Wenn jemand falsche Worte wählt, rege ich mich unterschiedlich stark auf. Mässig dann, wenn unnötigerweise dümmliche oder «amerikanisierte» Begriffe verwendet werden. Sobald jemand das Wort «Hinrichtung» für Mord verwendet, gerät mein Blut aber kräftig in Wallung. Dasselbe passiert, wenn davon gesprochen wird, dass eine Terrororganisation «die Verantwortung» für einen Anschlag übernommen habe.
Jetzt ist wieder für Aufregung gesorgt. Irgendeine idiotische Person hat im Zusammenhang mit den schrecklichen Verbrechen an drei Frauen den Begriff «chemische Unterwerfung» (soumission chimique) kreiert. Mehr sprachliche Dummheit beziehungsweise Niedertracht kann ich mir kaum vorstellen. Meine Vermutung, dass die Wortschöpfung aus dem Umfeld der Justiz oder der Medizin stammt und daher allgemein gebräuchlich wird, macht meinen Ärger nur noch grösser.
Die Vorstellung, dass Verbrecher und Vergewaltiger «Unterwerfer» sein sollen, schnürt mir die Luft ab. Dominique Pelicot und Patrick Frei, für den formell noch die Unschuldsvermutung gilt, haben sich keine Frauen unterworfen. Was jeweils geschehen ist, kann man daher höchstens als chemisch unterstützte Schändungen bezeichnen.
Ich plädiere dafür, den Opfern hilfsbereit, verständnisvoll und taktvoll zu begegnen und sie auf jede nur mögliche Art zu unterstützen. Wenn sie selbstbewusst und stark in der Öffentlichkeit auftreten und die Verbrecher brandmarken, verdienen sie für ihren Mut unsere Anerkennung. Damit verhindern sie vielleicht sogar weitere Straftaten, indem sie die Öffentlichkeit sensibilisieren.
Für die Verbrecher braucht es übrigens keine chemischen Mittel. Es genügt in jedem Fall ein am richtigen Ort angesetzter Bolzenschneider, damit in der hoffentlich lebenslangen Haft oder Verwahrung keine dunklen Triebe mehr wach werden.
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- Peter-Jürg Saluz
Neue Steuern sollte man vermeiden. Bestehende Steuern können jedoch bei Bedarf angepasst werden, sofern der notwendige finanzielle Spielraum vorhanden ist.
Unternehmen, die künstliche Intelligenz mit schlecht bezahltem Callcenter-Personal kombinieren und dadurch die persönliche Betreuung ihrer Kundschaft verschlechtern, sollten jedoch in geeigneter Weise steuerlich stärker in die Pflicht genommen werden. Ihr ausschliesslich gewinnorientiertes und letztlich unmenschliches Handeln hat erhebliche soziale Folgen.
Besonders ältere, langjährige und treue Kundinnen und Kunden geraten dadurch zunehmend in eine Form der Hilflosigkeit. Gemeint ist dabei nicht in erster Linie finanzielle Bedürftigkeit, auch wenn diese von einzelnen Unternehmen durchaus in Kauf genommen oder sogar mitverursacht wird.
Die hier angesprochene Hilflosigkeit äussert sich vielmehr in einer wachsenden Überforderung im Alltag. Wird die direkte Beratung durch kompetente Menschen verunmöglicht, sind zahlreiche Kundinnen und Kunden auf anderweitige Unterstützung angewiesen oder sehen sich gezwungen, auf bestimmte Dienstleistungen ganz zu verzichten. Sinnbildlich steht dafür der ältere Mann, der nicht mehr mit dem Zug fährt, weil er weder selbst ein Billett lösen noch ein Smartphone bedienen kann. Während für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu Recht gesellschaftliche «Teilhabe» gefordert wird, bleibt sein Ausschluss oft unbeachtet.
Wer sich den Vorgaben von Unternehmen und Institutionen nicht entziehen kann, ist auf die Hilfe von Angehörigen, Bekannten sowie – sofern vorhanden – von Behörden und sozialen Einrichtungen angewiesen. Die dadurch entstehenden Kosten müssten konsequenterweise von jenen Unternehmen getragen werden, die ihre Dienstleistungen zulasten ihrer Kundschaft rationalisieren. An diese verursachergerechte Kostenübernahme dachte ich eingangs.
Wahrscheinlich wird eine solche Lösung Utopie bleiben, obwohl ich sie durchaus nicht ungerecht fände. Selbst dann wären die gesellschaftlichen Kosten der zunehmenden Einsamkeit, zu der profitorientierte Unternehmen mit ihrem Verhalten beitragen, noch längst nicht gedeckt.
Der Preis für das immer unsozialer werdende Verhalten vornehmlich grosser Firmen ist hoch – für die Allgemeinheit und die persönlich Betroffenen viel zu hoch.
