SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Frauen haben mich geprägt, obwohl ich beruflich nur ein einziges Jahr lang für eine Chefin gearbeitet habe. Meine Erfahrungen mit Frauen und der Zustand unserer von Kriegen und Umweltzerstörung gezeichneten Welt lassen mich von einem Matriarchat träumen. Ich bin überzeugt, dass von Frauen geführte Regierungen deutlich seltener oder gar nie Kriege anzetteln und insgesamt ökologischer handeln würden.
Dass es auch Frauen gibt, denen nicht zu trauen ist, weiss ich selbstverständlich. Zudem schreckt mich übertriebenes weibliches Gehabe ab. Wenn alles „woke“ sein soll, die Sprache mit Sternchen verunziert wird, vertraute Begriffe nicht mehr gebraucht werden dürfen und Scheinprobleme episch diskutiert werden, während echte Probleme unbeachtet bleiben, sind mir alle schrillen Emanzen gründlich zuwider. Dennoch halte ich an meinem Wunschtraum einer weiblichen Dominanz in Politik und Wirtschaft fest. Weltweit gibt es genügend kluge, friedfertige und empathische Frauen, die Grosses leisten können. Wirklich gute Männer muss und wird das nicht verunsichern.
Da mich dieses Thema stark beschäftigt, habe ich mir mit Hilfe von KI einen Überblick verschafft. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die historische und ethnologische Forschung zeigt, dass es bislang kein belegtes, dauerhaftes „reines Matriarchat“ gegeben hat. Eine Gesellschaft, in der Frauen systematisch die politische, rechtliche und militärische Herrschaft über Männer ausüben, ist historisch nicht nachweisbar. Allerdings existieren zahlreiche Gesellschaften, in denen die soziale Organisation durch eine Abstammungsregelung über die mütterliche Linie (matrilinear), durch eine Residenzordnung am Herkunftsort der Frau (matrilokal) oder durch eine strukturelle Zentrierung familiärer und sozialer Beziehungen auf Frauen (matrifokal) gekennzeichnet ist, ohne dass Männer in diesen Gesellschaften grundsätzlich von Macht, Autorität oder politischem Einfluss ausgeschlossen wären.
Beispiele hierfür sind die Mosuo in China, die Minangkabau in Indonesien, die Khasi in Indien, die Akan in Westafrika oder die Haudenosaunee in Nordamerika. Auch moderne Experimente wie das Frauendorf Umoja in Kenia zeigen, dass weiblich geprägte Strukturen funktionieren können. In diesen Gesellschaften besteht Macht weniger aus Dominanz als vielmehr aus Verantwortung, Eigentum und sozialer Autorität. Es sind die Faktoren, die Stabilität und Kontinuität fördern.
So bleibt das Matriarchat für mich weniger eine historische Realität als ein persönlicher Wunschtraum. Einer, der nicht aus Ideologie entsteht, sondern aus Erfahrung und aus der Überzeugung, dass eine von Frauen stärker geprägte Welt friedlicher, nachhaltiger und menschlicher sein könnte oder mit sehr viel Glück einst sein wird.
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- Peter-Jürg Saluz
Persönliche Haltung zur Glaubensfreiheit
Obwohl ich mit der Tochter eines leider längst verstorbenen Pfarrers verheiratet bin, fühle ich mich als glaubensfreier Mensch wohl in meiner
Haut. Glaubensfrei bin ich zwar nicht in allen Belangen, aber ganz sicher im religiösen Sinn.
Meine selbstgewählte Glaubensfreiheit geniesse ich nicht zulasten religiöser Menschen. Der Inhalt von Artikel 15 der Schweizerischen Bundesverfassung ist auch mir – so seltsam das in diesem Zusammenhang wirken mag – heilig. Deshalb respektiere ich das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit.
Bei den zahlreichen sogenannten Freikirchen fällt mir das jedoch nicht immer leicht, da ich mit ihnen zu oft ungute Erfahrungen gemacht habe.
Frömmigkeit im Zürcher Oberland
Im Zürcher Oberland, wo ich zuhause bin, ist Frömmigkeit allgegenwärtig und einflussreich. Die richtige Zugehörigkeit schafft Beziehungen und fördert Karrieren. Das wurde mir einmal mehr durch einen heute in der Lokalpresse erschienenen Leserbrief bewusst. Diesen hat ein ehrgeiziger Lokalpolitiker verfasst, der sich wiederholt, bislang erfolglos, um das Amt des Stadtpräsidenten bewirbt. Unter dem Titel „Der vergessene Kern von Weihnachten“ fordert der Mann, dass „alle Menschen den Geist Jesu in sich erblühen lassen“.
Gedanken beim Lesen
Beim Lesen frage ich mich, ob der Heilige Geist oder eine KI dem Leserbriefschreiber Hilfe geleistet hat. Dennoch halte ich mich an Artikel 15 der Bundesverfassung. Als erstaunlich darf ich den frommen Leserbrief aber schon bezeichnen, da ich aus früheren intensiven Kontakten noch immer viel Interessantes über den ambitionierten Lokalpolitiker „im Ohr“ habe.
In Erinnerung an unsere Diskussionen und die oft nachdrücklichst vertretenen Ansichten des Dauerkandidaten für das Stadtpräsidentenamt staune ich über die bei ihm wundersam eingetretene geistige Metamorphose.
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- Peter-Jürg Saluz
Von ihm weiss man, dass er ein Bewegungsmuffel ist. Diese Eigenschaft ist in den letzten Jahren sogar noch ausgeprägter geworden, da er aus gesundheitlichen Gründen fast immer im Haus oder im eigenen Garten bleibt. Restaurantbesuche sind nur dann noch möglich, wenn er das einzige Lokal aufsuchen kann, das nur wenige Schritte entfernt liegt. Bei einem unerwarteten – leider aber immer möglichen – Zwischenfall (kein Inkontinenzthema!) ist er dann nämlich schnell wieder daheim.
Leidenschaften pflegt er trotz allem nach wie vor gerne, am liebsten allerdings solche, bei denen sich der Genuss teilen lässt. Den allergrössten Leidenschaften kann man ohnehin nur frönen, wenn man dabei nicht allein gelassen wird...
Mittlerweile bestimmen jene Leidenschaften, die er gerne teilt, aber nicht um jeden Preis teilen muss, seinen Alltag. Das ist ideal, denn es erlaubt ihm das Zügellossein. – Er gönnt sich ja sonst nichts.
So isst er denn gerne recht häufig Ungesundes, und auch dem Alkohol ist er nicht abgeneigt. Abusus-gefährdet ist er aber nicht.
Weil er bewegungsfaul ist, erweist sich sein Verhalten als nicht ganz unproblematisch. Glücklicherweise lebt er jedoch in einem Haus, das aus einem Untergeschoss, einem Parterregeschoss und zwei Obergeschossen besteht, die mit einer Wendeltreppe verbunden sind.
Da Männer in seinem Alter prostatabedingt häufig Harntrieb verspüren, sucht er oft die Toilette auf. Es ist stets jene, deren Besuch das Erklimmen der meisten Treppenstufen erfordert. So bewegt er sich ständig auf der mehrgeschossigen Wendeltreppe des eigenen Hauses. Das hält ihn fit und hat ihm zudem eine wichtige Erkenntnis beschert:
Beim Hochsteigen auf der Wendeltreppe bewegt man sich im Kreis und erreicht das Ziel trotzdem! Das kann doch auch im richtigen Leben passieren. Man muss also nie resignieren, wenn man sich manchmal im Kreis dreht.
Bei dieser Schlussfolgerung kommt ihm das Hazy Osterwald Sextett mit folgendem Liedtext (Auszug) in den Sinn:
Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, Sie müssen warten. Sie können den Weg nach oben erst später starten …
Der vorstehende Liedtext soll jedoch keine Empfehlung sein. Warten ist keine Option. Aufsteigen kann man aus eigener Kraft. Man muss es nur wagen – bevor es zu spät ist.

