SALUZER Der BLOG
Schreiben, was wir denken - unabhängig und unbeeinflusst. Das wollen wir. Unsere Texte werden kritisch, politisch, besinnlich und kulturell geprägt sein und immer wieder durch etwas Neues, nicht selten auch Amüsantes, ergänzt werden. Kommentare und Textbeiträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Sie werden von uns wahlweise veröffentlicht oder als Anregung verstanden.

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- Peter-Jürg Saluz
Dass ich viele Menschen schätze und vor tüchtigen Berufsleuten grosse Hochachtung empfinde, ist nichts Neues. Heikel wird es, wenn ich mich zu Berufsgruppen äussere, die ich persönlich nicht besonders bewundere. Bevor ich das tue, möchte ich deshalb klarstellen, dass es auch in diesen Kreisen fähige und bewundernswerte Fachleute gibt. Sie sind mir im Laufe meines mittlerweile langen Lebens jedoch nicht so zahlreich wie die anderen begegnet. Von ihnen ist nachfolgend nicht die Rede.
Die beiden Berufsgruppen, denen ich aufgrund langjähriger Erfahrungen mit grossen Vorbehalten begegne, sind Psychologinnen und Psychologen sowie Sozialarbeitende. Von «Sozialarbeit erlernen» spricht man heute kaum mehr, denn dieser Beruf ist längst akademisiert und nach meinem Empfinden teilweise weltfremd geworden.
Ich mag es nicht, wenn man mich «niederschwellig» zu einer aus meiner Sicht sinnlosen Sternchendiskussion «abholen» will. Ebenso finde ich es lästig bis lächerlich, wenn sich eine akademisch ausgebildete Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter vor allem auf theoretisches Wissen beruft und den Eindruck vermittelt, über jenen zu stehen, die ihr fundiertes Fachwissen in der Berufswelt tagtäglich ganz ohne akademischen Titel unter Beweis stellen.
Mir sind viele unterschiedliche Werdegänge bekannt. Deshalb bilde ich mir moistens ein objektives Urteil. Wer sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, verfügt oft über besonders tragfähige Voraussetzungen für beruflichen Erfolg. Nach meiner Überzeugung wäre gerade für Sozialarbeitende eine solide Berufslehre als Grundlage wertvoller als ein ausschliesslich akademischer, rein theoretischer Bildungsweg.
Bei der anderen Gruppe, der ich mit Vorbehalten begegne, ist mir vor allem aufgefallen, dass ein Psychologiestudium für manche Menschen mit eigenen erheblichen Problemen besonders attraktiv zu sein scheint. Die unausgesprochene Devise lautet bisweilen: «Wer selbst Probleme hat, kann diejenigen anderer Menschen am besten lösen.» Diese Vorstellung halte ich für trügerisch, denn ungelöste eigene Probleme können den professionellen Umgang mit den Schwierigkeiten anderer eher erschweren als erleichtern. Zudem wirken Problembeladene ansteckend wie ein Coronavirus und nicht resistent- bzw. resilienzmachend.
Meine Erfahrungen und Schlussfolgerungen sind gewiss nicht repräsentativ. Für meinen persönlichen Bekanntenkreis treffen sie nach meiner Wahrnehmung jedoch absolut zu. Dass es ausgezeichnete Psychologinnen und Psychologen sowie hervorragende Sozialarbeitende gibt, habe ich bereits festgehalten. In meinem Umfeld bilden sie allerdings eine Minderheit.
Gute und schlechte Menschen sowie gute und schlechte Berufsleute gibt es überall. Sie lassen sich meist leicht unterscheiden. Wer dünkelhaft nur den eigenen Weg als richtig betrachtet, qualifiziert sich damit vor allem selbst. Das ist meine persönliche psychologische Schlussfolgerung und wohl kaum ein Thema für die Diplomarbeit einer künftigen Sozialarbeiterin.
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- Peter-Jürg Saluz
Der Name des Ehepaares, von dem hier die Rede ist, spielt keine Rolle. Erzählenswertes über die beiden Personen gibt es dennoch.
Die Eheleute sind altruistisch eingestellt und kennen aus ihrer Vergangenheit bescheidene finanzielle Verhältnisse. Diese Bescheidenheit haben sie sich bewahrt. Sie leisten sich – auch der Umwelt zuliebe – nur wenig Extravagantes. Einzig für gutes Essen und Trinken sowie für ein breites Angebot an Informationsmedien geben sie vergleichsweise mehr Geld aus.
Das Ehepaar, das eine maximale AHV-Rente bezieht, hat sich aus Überzeugung gegen die Einführung einer 14. AHV-Rente ausgesprochen. Es wollte diese zusätzliche Rente nicht, hielt sie für finanziell nicht tragbar und hätte allenfalls eine gezielte Verbesserung der Minimalrenten begrüsst.
Nun erhält das Ehepaar die 14. AHV-Rente dennoch – obwohl es sie weder gewünscht hat noch benötigt. Dieses unerbetene Geschenk bereitet den beiden keine Freude. Im Gegenteil: Sie beobachten mit Sorge, dass die Finanzierung der Sozialwerke langfristig alles andere als gesichert ist.
Für sich haben sie jedoch einen konsequenten Weg gefunden. Sie haben beschlossen, die zusätzliche Rente für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Gleichzeitig bündeln sie ihre Spenden: Statt viele kleine Beiträge an verschiedene Organisationen zu verteilen, unterstützen sie künftig nur noch ein einziges Hilfswerk. So kommt mehr von ihrer Hilfe dort an, wo sie wirken soll.
Wie dieses Hilfswerk heisst, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass es Menschen in Not dient, politisch und konfessionell unabhängig ist und Vertrauen verdient.
Falls Sie dieser Text nachdenklich stimmt, weil auch Sie eine 14. AHV-Rente erhalten, auf die Sie nicht angewiesen sind, dann hat er seinen Zweck erfüllt.
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- Peter-Jürg Saluz
Wann immer er nicht schlafen kann, weil sich sein «Kopfkarussell» unaufhaltsam dreht, schaltet er den Fernseher ein. Ohne das flimmernde Gerät, sagt er, würde er sich in schlaflosen Nächten verloren fühlen.
Weil der Fernseher mehrheitlich rund um die Uhr läuft, wird sein Besitzer fortwährend mit Nachrichten, Krisen und Ereignissen konfrontiert – ein Spiegel einer Zeit, die pausenlos Aufmerksamkeit verlangt. Seichte Unterhaltung verschmäht der Schlaflose zwar nicht, doch seine eigentliche Neugier gilt Sendungen, die Wissen vermitteln. Der Wunsch, Neues zu erfahren, kennt offenbar kein Alter.
Das nächtliche Fernsehen hält bisweilen Überraschungen bereit, manchmal sogar verstörende. Die dadurch spontan ausgelösten Empfindungen sind auch mir nicht fremd. Als ich vor Jahren einmal unvermittelt etwas in einem grossen Standspiegel sah, bin ich erschrocken, weil ich einen kurzen Augenblick lang glaubte, einem fremden, alten und unansehnlichen Mann gegenüberzustehen. Ich habe dann aber doch begriffen, dass ich meinem Spiegelbild gegenüberstand.
Etwas Ähnliches widerfuhr kürzlich dem Mann, von dem hier die Rede ist. Man muss wissen, dass ihn immer wieder depressive Verstimmungen heimsuchen und er häufig glaubt, den Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen zu sein. Deshalb spricht ihn auch ein Satz von mir besonders an: «Das Leben meistern wollte ich, doch leider meistert es längst mich.»
Vielleicht sind wir tatsächlich Denkverwandte. Jedenfalls hörte ich ihm aufmerksam zu, als er mir von einer nächtlichen Fernsehsendung erzählte.
Sie handelte vom exzessiven Gebrauch von Handy, Computer und Fernsehen. Interviewt wurde ein junger Mann, der offen bekannte, beinahe den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen. Er erklärte auch, weshalb: Die unablässige Beschäftigung vermittle den Eindruck grösster Auslastung, obwohl sie gar nicht erforderlich sei. Die scheinbare Arbeit diene als Alibi – als Beweis dafür, dass weder Zeit für anderes noch für zwischenmenschliche Beziehungen bleibe. Gleichzeitig helfe die konzentrierte Tätigkeit, belastende Gedanken zu verdrängen.
Auf meinen Bekannten wirkte dieses Interview stärker, als er zunächst erwartet hatte. Die Aussagen des jungen Mannes hielten ihm gleichsam einen Spiegel vor. Plötzlich erkannte er im Verhalten des Fremden Züge seines eigenen Lebens wieder.
Ich kann beide Männer gut verstehen – den jungen Mann vor dem Computer ebenso wie meinen Bekannten vor dem Fernseher. Ja, vielleicht verstehe ich sie sogar allzu gut. Denn auch ich kenne Augenblicke, in denen mir das eigene Wesen unvermittelt entgegenblickt und meine eigenen Schwachstellen aufzeigt.
